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Sonntag, 3. November 2013

Regen, Regen, Regen ...

... und ich habe dunkle Gedanken. Der heutige Tag fing mit Regenwetter an und meine Gedanken wurden seltsam. Na ja, seltsam, im Sinne von nicht lustig. Sie, die Gedanken, gingen in die Vergangenheit zurück und erinnerten mich an so manche Begegnung. An Begegnungen, auf die ich im ersten Moment nicht neugierig war, aber überrascht wurde. Dabei denke ich an Kleidung. Kleidung hat wirklich nichts mit dem Charakter eines Menschen zu tun, wie ich es in meinem Leben erfahren habe. Weil es so ist, möchte ich diese kleine, im Internet, gefundene Geschichte erzählen. Sie stimmt mit meiner Einschätzung eines Menschen überein, egal welche Kleidung er trägt.

Begegnungen

Als er die Eisdiele betrat, erschrak ich etwas und spürte auch gleich eine gewisse Abneigung gegen den Mann. Wäre ich ihm nachts in einer dunklen Straße oder in einem Park begegnet, hätte ich wahrscheinlich panisch reagiert. Er war groß und schlank, hatte dunkle Haare, die bis zur Schulter reichten und sein Gesicht wirkte insgesamt dunkel, da er einen Bart trug. Das Auffälligste war seine schwarze Kleidung, schwarze Jeans, dunkles T-Shirt und darüber hatte er eine Lederweste mit verschiedenen Metallverzierungen und Nieten an. 
Mir fiel auch sofort auf, dass er anscheinend etwas zuviel getrunken hatte, obwohl er nicht schwankte oder lallte. In der Eisdiele musste er Stammgast und recht bekannt sein, denn so wurde er begrüßt. Er setzte sich an einen einzelnen Tisch links neben uns und sprach in lockerem, freundlichen Ton mit der Bedienung. Sie orderte auch sofort – ohne seine Aufforderung – ein Weizenbier für ihn. Zu meiner Überraschung bat er sie um die Tageszeitung, die für alle Gäste als Service an der Garderobe hing. Mit einem Lachen legte die Italienerin die Zeitung auf den Tisch des dunklen Mannes.

Als er dann begann das Bildersuchrätsel auf der Rückseite der Zeitung zu lösen, war ich völlig perplex. Meine Vorurteile nach dem ersten Eindruck des Mannes auf mich beschämten mich in diesem Moment. Wie ein verspieltes Kind begann er mit Hingabe nach den Fehlern bei dem Rätsel zu suchen. Ich konnte seine Freude dabei wirklich sehen. Als er alle 10 Fehler gefunden hatte, rief er der Bedienung zu, dass er heute fast zwei Minuten gebraucht hatte. Seine Bestzeit musste auf jeden Fall weit darunter liegen. 
Die Freude und eine Art von Zufriedenheit merkte ich ihm auch dabei an. Als wir bezahlten war eine lockere angenehme Stimmung im Raum, der Mann unterhielt sich mit der Italienerin und trank sein Bier. 
Wir verabschiedeten uns und wünschten noch einen schönen Abend. Auch der dunkle Mann lächelte uns freundlich zu und wünschte uns noch alles Gute für diesen Abend. Wenn ich jetzt daran denke, spüre ich noch die Wärme und Herzlichkeit dabei, denn er meinte es wirklich so.
erzählt von Murks

Und diese Geschichte heiterte mich wieder auf. Es regnete noch immer, aber meine dunklen Gedanken wurden sehr freundlich und lösten sich in Wohlgefallen auf. So begann mein heutiger Tag ... 

Kommentare:

  1. Das kenne ich nur zu gut.
    Ich habe auch schon oft Menschen nach ihrem Äußeren beurteilt, bzw. eher verurteilt. Und bin schon fast genauso oft eines Besseren belehrt worden.
    Oft waren es gerade die Menschen, bei denen ich wahrscheinlich früher die Straßenseite gewechselt hätte, die, die eigentlich super lieb und auch total schüchtern waren.

    Heute lasse ich mich mehr von meinem Gefühl leiten, wie ein Mensch sich so gibt. Dazu bedarf es aber mehr als nur den ersten Blick.

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Liebe Sonja, da bin ich wirklich froh, dass es mir nicht alleine so ging. Deine Zeilen trösten mich, hab vielen Dank.
      Dir einen schönen Sonntag und liebe Grüße, Margot.

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  2. Ja, so ist das Leben...vieles ist anders, als es auf den ersten Blick scheint...deshalb besser immer zweimal hinschauen ;-)
    Hier hängen auch schwere, dunkle Regenwolken am Himmel, sehr spannend!
    Wünsche dir einen angenehmen, kuscheligen Sonntag!
    Liebe Grüsse Ruth

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    1. Hallo liebe Ruth, ich habe meine Lehren gezogen und schaue jetzt immer, mindestens, zweimal hin. :-) Danke dir für dein lieben Wünsche.
      Ganz liebe Grüße, Margot.

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  3. Liebe Margot, dieses Geschichtchen gefällt mir. Das hätte über meinen Mann geschrieben worden sein können :-), meinen wirklich liebenswerten, auch ein auf den ersten Blick etwas düster wirkenden "Rock"-Opa, LG Claudia.

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    1. Liebe Claudia, es freut mich, dass du so über deinen liebenswerten Mann sprichst.
      Karl Simrock sagte: "Man empfängt Menschen nach dem Kleide und entlässt sie nach dem Verstand."
      Wünsche dir einen wunderschönen Sonntag.
      Liebe Grüße, Margot.


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  4. Hallo Margot :)

    leider kommt so etwas ja öfter vor, man beurteilt nach dem ersten Anblick und so fällt vielleicht gerade die oder derjenige, welcher tatsächlich freundlich und nett ist, unten durch - schade.

    Ach ja, bei uns war auch Regen, Regen ;)

    Lieben Gruß und noch einen schönen Sonntag Euch
    Björn :)

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    1. Hallo Björn, da muss ich dir recht geben, aber so ist das Leben. :-)

      Danke dir für deinen Kommentar und wünsche dir eine schöne Woche.
      Liebe Grüße, Margot.

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