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Montag, 30. Juni 2014

Zeisig und Nachtigall

Der Himmel ist angefüllt mit Regen, was den Himmel sehr dunkel macht. Deshalb wundere ich mich nicht, dass ich mich müde fühle, trotzdem ich gerade aufgestanden bin. Doch ich habe Hoffnung, dass das Wetter schöner wird, die Schwalben fliegen sehr hoch. (alte Bauernregel)
Unabhängig von den Schwalben, lese ich interessante Fabeln. Vielleicht ihr auch? Es wäre schön ...




Zeus und das Pferd

»Vater der Tiere und Menschen«, so sprach das Pferd und nahte sich dem Thron des Zeus, »man will, ich sei eines der schönsten Geschöpfe, womit du die Welt geziert, und meine Eigenliebe heißt es mich glauben. Aber sollte gleichwohl nicht noch verschiedenes an mir zu bessern sein?« »Und was meinst du denn, das an dir zu bessern sei? Rede, ich nehme Lehre an«, sprach der gute Gott und lächelte.

»Vielleicht«, sprach das Pferd weiter, »würde ich flüchtiger sein, wenn meine Beine höher und schmächtiger wären; ein langer Schwanenhals würde mich nicht verstellen; eine breitere Brust wurde meine Stärke vermehren; und da
du mich doch einmal bestimmt hast, deinen Liebling, den Menschen, zu tragen, so könnte mir ja wohl der Sattel anerschaffen sein, den mir der wohltätige Reiter auflegt.«

»Gut«, versetzte Zeus, »gedulde dich einen Augenblick!« Zeus, mit ernstem Gesichte, sprach das Wort der Schöpfung. Da quoll Leben in den Staub, da verband sich organisierter Stoff; und plötzlich stand vor dem Throne - das hässliche Kamel.

Das Pferd sah, schauderte und zitterte vor entsetzendem Abscheu.

»Hier sind höhere und mächtigere Beine«, sprach Zeus; »hier ist ein langer Schwanenhals; hier ist eine breite Brust; hier ist der anerschaffene Sattel! Willst du, Pferd, dass ich dich so umbilden soll?«

Das Pferd zitterte noch.

»Geh«, fuhr Zeus fort; »dieses Mal sei belehrt, ohne bestraft zu werden. Dich deiner Vermessenheit aber dann und wann reuend zu erinnern, so daure du fort, neues Geschöpf« - Zeus warf einen erhaltenden Blick auf das Kamel - »und das Pferd erblicke dich nie, ohne zu schaudern.«

Gotthold Ephraim Lessing Europa - Mitteleuropa - Deutschland


Zeus und das Kamel

Ein Kamel, das einen Stier erblickte, welcher auf seine Hörner stolz war, beneidete diesen und wünschte sich denselben Schmuck; deshalb trat es vor Zeus und bat ihn gleichfalls um Hörner. Der Gott, welcher dem Tiere einen großen Körper und Stärke des Leibes, die ihm nötig waren, verliehen hatte, zürnte über die Unbescheidenheit desselben und versagte ihm nicht bloß die Hörner, sondern nahm ihm auch etwas von der Länge der Ohren hinweg.

Viele verlieren, indem sie mehr zu gewinnen streben, dasjenige, was sie in Sicherheit genießen könnten.

Aesop Europa - Südosteuropa - Griechenland



Zeisig und Nachtigall

»Sage mir doch, Nachtigall«, so fragte der Zeisig, »warum du bald so tief schmerzlich klagst und dann so jubelst? Ich verstehe das nicht.« Die Nachtigall antwortete: »Ich empfinde anders als du. Ich lebe, ist das nicht Grund genug zur Klage? Ich lebe, ist das zum Jubel nicht Grund genug?«

Europa - Mitteleuropa - Deutschland


Knaben und Frösche

Einige mutwillige Knaben machten sich eines Tages die größte Freude daraus, an einem Teiche jeden Frosch, so wie er hervortauchte, mit Steinen zu bewerfen. Je mehr Frösche sie verwundeten, je größer und lauter wurde das Geschrei, bis endlich ein alter Frosch auftauchte und ihnen zurief:

»Kinder, bedenkt doch, was ihr tut, dass ihr uns armen Tiere, die euch nichts Böses taten, quält und schuldlos tötet.«

Dies machte die Knaben aufmerksam, sie dachten darüber nach und gingen beschämt nach Hause.

Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz.

Aesop Europa - Südosteuropa - Griechenland




Sonntag, 29. Juni 2014

König Iltis

Bei dieser nachfolgenden Geschichte muss ich an die Menschen denken, die Macht ausüben wollen. Und auch an uns, wir wählen unseren eigenen Machthaber und lassen uns den Kopf abbeißen. Ach, was für eine unsinnige Welt ...  

König Iltis

Einst waren die Frösche mit ihrer alten Verfassung unzufrieden; sie quakten und quakten so lange, bis sie endlich unter Quaken den langbeinigen Storch zu ihrem Könige erwählten.

Als dies die Hühner und Hennen sahen, wollten sie hinter den Fröschen nicht zurückbleiben; sie meinten, es wäre gut, wenn sie auch ihren König hätten. Sie hielten daher einen allgemeinen Landtag ab und begannen sich zu beraten

Alle waren bisher eines Sinnes gewesen. Als es aber dazu kam, wer König sein solle, begannen sie zu zanken und zu hadern; denn niemand wollte dulden, dass ein anderer über ihn herrsche, sondern jeder hätte gern selbst über den anderen geboten.

Die Hähne stellten sich daher zum Kampfe und hackten mit den Schnäbeln aufeinander los, so dass die Federn umherstoben und die Kämme bluteten. Endlich riet ihnen ein alter weiser Hahn, es wäre das beste, wenn sie den Iltis zu ihrem Könige nähmen; der sei ein gewaltiger Herr mit starken Zähnen, den jeder fürchte, und der gewiss Ruhe und Ordnung herstellen werde.

Der Rat gefiel den Hähnen, und sie sandten sogleich zum Iltis, um mit ihm einen Vertrag zu schließen.

Als der Iltis ihr Begehren vernommen hatte, zeigte er sich sehr freundlich und bereitwillig. Er versprach den Hühnern auch, sie vor dein Hühnergeier, der ihre Kinder forttragen vor dem Marder, der ihre Eier austrinke, und vor dem Spatzen, der ihnen die Körner vor der Nase wegstehle, zu schützen, und er verhieß ihnen, die schönen, großen Hähne zu seinen Kammerherren zu machen und sie zu anderen Würden zu erheben.

Allen gefiel, was er versprach, den Hennen und den Hähnen, und so setzten sie den Iltis feierlich auf den Thron und waren froh, dass sie einen so mächtigen und gütigen König hätten.

Es währte jedoch nicht lange, so gelüstete es den Iltis nach einem Huhn. Um die Gemüter aber nicht gleich durch offenbare Gewalt zu verbittern, beschloss er, unter irgendeinem tauglichen Vorwande ein Huhn totzubeißen, um dessen Blut auszusaugen. Er ließ daher einen schönen, fetten Hahn vor sich rufen und fragte ihn, ob er was rieche. Der Hahn war eine gute, ehrliche Haut und sagte aufrichtig: »Verzeiht, Herr König! Ich riech' etwas, das entsetzlich stinkt.« - Es war dies der Gestank, den die Iltisse gewöhnlich verbreiten. - »Du unverschämter Wicht!« fuhr der Iltis da auf. »Das wagst du deinem Könige ins Gesicht zu sagen?« - Und schwapps biss er ihm den Kopf ab und sog ihm das Blut aus.

Dann ließ er einen zweiten Hahn rufen und fragte ihn gleichfalls, ob er was rieche. Der Hahn, der seines Kameraden Leib ohne Kopf daliegen und des Iltis Maul von Blut triefen sah, merkte, dass es übel um ihn stehe. Er begann vor Angst am ganzen Leibe zu zittern und vermochte kein Wort über die Lippen zu bringen.

»Warum zitterst du?« fragte ihn der Iltis streng. »Mir scheint, du hast kein gutes Gewissen! Sprich, was riechest du?«

Der Hahn raffte all seine Kraft zusammen, verneigte sich tief und sagte demütiglich mit süßer Stimme: »Herr König, ich riech' etwas, das wunderlich duftet.«

»Tückischer Verräter!« rief der Iltis zornig. »Du willst deine Erbärmlichkeit mit Schmeicheleien beschönigen?« - Und schwapps biss er ihm den Kopf ab und sog ihm dann das Blut aus.

Der Iltis hatte nun zwar schon zur Genüge gefressen, allein das Spiel mit den Hähnen machte ihm Vergnügen; drum ließ er noch einen dritten Hahn vor sich rufen und fragte den ebenfalls, was er rieche. Der aber war pfiffig; er sah zwar die zwei Leichname ohne Kopf und bemerkte Blut an des Iltis Barte, doch tat er nicht, als ob er etwas sähe. Er verneigte sich einige Male nach Gebühr und erwiderte dem Iltis vorsichtig: »Verzeiht, Herr König! Das Wetter ist schlecht; ich hab' einen furchtbaren Schnupfen.«

Der Iltis, der sah, wie klug der Hahn sich aus der Schlinge ziehe, und dem gerade nichts anderes einfiel, was er gegen ihn vorbringen könne, lächelte huldreich und entließ ihn in Gnaden.                                         
                                       

                                          

Samstag, 28. Juni 2014

Ein Sommerlied ...

Der Tag beginnt mit Wärme, die Blumen blühen auf "Balkonien". Ich lass mich hier nieder und genieße die Zeit. Die realistische Welt ist weit von mir entfernt ich träume ein Sommerlied. Wäre ich eine Katze, würde ich vor Wohlbehagen schnurren.  Die Gedichte tragen mich in eine wunderschöne Welt.






Der Sommerfaden

Da fliegt,  als wir im Felde gehen, 
Ein Sommerfaden über Land, 
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,  
Und knüpft von mir zu ihr ein Band. 
Ich nehm'  ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen,  wie die Lieb' es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt,  von Luft zerhaucht!

Ludwig Uhland




Dorfkirche im Sommer

Schläfrig  singt der Küster vor,    
Schläfrig  singt auch die Gemeinde. 
Auf der Kanzel der Pastor  
Betet still für seine Feinde.   
    
Dann die Predigt,  wunderbar, 
Eine Predigt ohnegleichen.  
Die Baronin weint sogar 
Im Gestühl, dem wappenreichen.
    
Amen,  Segen,  Türen weit, 
Orgelton und letzter Psalter.   
Durch die Sommerherrlichkeit 
Schwirren Schwalben,  flattern Falter.

Detlev von Liliencron




Abseits

Es ist so still;  die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
Ein rosenroter Schimmer fliegt    
Um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn;  der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft. 
    
Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen,
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen;  
Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
Die Luft ist voller Lerchenlaut. 
    
Ein halbverfallen niedrig Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen;    
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus, 
Behaglich blinzelnd nach den Bienen; 
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.
    
Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr,  der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,   
Er träumt von seinen Honigernten.
-  Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.

Detlev von Liliencron




Juli

Klingt im Wind ein Wiegenlied,
Sonne warm hernieder sieht,
Seine Ähren senkt das Korn,
Rote Beete schwillt am Dorn,
Schwer von Segen ist die Flur -
Junge Frau, was sinnst du nur?

Theodor Storm




Sommer, der so fröhlich war

Sommer der so fröhlich war,
Er entlässt der Vögel Schaar, 
Tausend Stare weiter ziehn, 
Tausend Lieder jetzt entfliehn.

Auf der Wiese,  die verblüht,
Noch der Himmel einsam glüht,    
Wie die Sehnsucht, die nie stirbt
Und um neue Lieder wirbt.

Sitzt  das Herz am rechten Fleck,
Fällt's nicht wie ein Herbstblatt weg.  
Wechselt auch der Baum sein Kleid,
Lieb kennt keine Jahreszeit. 

Max Dauthendey




Hauch des Salzwassers

In Salzwiesen deren Raum ich morgens gern betrat
Quoll aus schlüpfrigem Boden Bläschen quirlend
Einen Fuß vor dem anderen gesetzt
Leere Muscheln in die Taschen gerüttelt
- Den Seestern oben quer -
Hob der Hauch des Salzwassers in den offenen Himmel
Und brach das dunkle Brot des Augenblicks
Dem Wasser abgewandter Wind fiel lichtblau über Wiesen


Herzlichst Margot

Freitag, 27. Juni 2014

Vom Fichtenbaum, dem Teiche und den Wolken

Gestern hatte ich geschrieben es hat geregnet, heute kann ich schreiben, das Wetter ist wunderschön. Na ja, noch ein bisschen Wind ... aber eine Fabel kann man bei jedem Wetter lesen.


Vom Fichtenbaum, dem Teiche und den Wolken

Die herrliche Abendsonne beschien mit ihren goldenen Strahlen einen großen Fichtenbaum, welcher an einer felsigen Berghalde stand. Sein stachliges Laub prangte im schönsten Grün, und seine Äste waren wie mit Feuer übergossen und glänzten weithin durch die Gegend. Er freute sich dieses Glanzes und meinte, all diese Herrlichkeit gehe von ihm selbst aus und sei sein eigenes Verdienst, so dass er sehr eitel ward und prahlend ausrief: »Seht her, ihr andern Gewächse und Geschöpfe um mich her, wo erscheint eines in solcher Pracht wie ich edle Fichte? Gewiss, ihr seid sehr zu bedauern, dass euch der Schöpfer nicht schöner geschmückt hat.«

Die Sonne hörte diese eitle Rede und wurde darüber unwillig, so dass sie ihre Strahlen von dem Baume weg auf einen dunklen Teich wandte, der untern Berge in tiefer Ruhe lag. Der Fichtenbaum sah nun so öd und traurig aus wie vorher; der Teich aber bewegte sich freudig in kleinen goldenen Wellen und widerstrahlte das Bild der Sonne in tausend Feuerpunkten. Allein auch er wurde stolz darauf und glaubte am Ende, er selbst sei die Quelle all dieser Klarheit, und verspottete die anderen Gewässer, welche im Schatten lagen.

Da wurde die Sonne abermals unwillig, zog Wolken zusammen, in denen sich verhüllte, und der Teich lag nun wieder in seinem düsteren melancholischen Grau wie zuvor und schämte sich. Die Wolken hingegen begannen jetzt zu glühen und zu scheinen wie Purpur und verbreiteten sich wohlgefällig im abendlichen Himmel, als die Erde schon im Schatten lag. Da wurden auch sie übermütig und riefen: »Erglänzen wir nicht viel schöner denn die Sonne?« Und zum dritten Male wurde die Sonne unwillig, und indem sie hinter den Horizont hinabstieg, entzog sie ihre Strahlen den undankbaren Luftgebilden, und Wolken, See und Bäume verschwammen nun in der grauen Dämmerung, endlich die Nacht all diese eitlen Geschöpfe der Vergessenheit übergab.

Gottfried Keller Europa - Mitteleuropa - Schweiz



Donnerstag, 26. Juni 2014

Der Hausherr mit seinen Hunden

Der Tag fing heute mit Regen und sehr kühlem Wind an. Auf dem Balkon, wo ich sehen wollte, ob es den Blumen gut geht, habe ich das Gefühl gehabt ich stehe alleine auf einer einsamen irländischen Insel. Dieses raue Klima liebe ich nicht, so war ich schnell wieder vom Balkon verschwunden. Hier im Zimmer war es mir angenehmer und ich suchte zwei Fabeln im Internet. Die ich bei Fabeln aus aller Welt auch fand. Hier sind sie ...


Der Hausherr mit seinen Hunden

Ein begüterter Mann befand sich auf seinem Landgut und wurde durch den harten Winter so von der ganzen Gegend abgeschnitten, dass er, um sein Leben zu fristen, von seinen Schafen eines nach dem anderen abschlachten musste. Der Winter wollte noch immer nicht enden, er sah sich gezwungen, auch die Ochsen zu schlachten.

»Wenn die Not schon so groß ist«, sprachen die Hunde, »dass die Ochsen nicht einmal verschont werden, die für das ganze Haus arbeiten und das Brot verdienen müssen, was haben wir dann zu erwarten, wenn wir auch das Haus bewachen, lasst uns daher dieser Gefahr durch die Flucht entziehen.«

Die Not zwingt uns oft, das Nützlichste und Liebste aufzuopfern.

Europa


Die Ameise und die Grille

Ameisen trockneten einst feucht gewordene Früchte. Eine Grille bat sich ein wenig davon aus, um ihren Hunger stillen zu können. »Du hättest«, sagten sie zu ihr, »auch im Sommer sammeln sollen, dann dürftest du jetzt nicht bei uns betteln.«

»O«, antwortete sie, »dazu hatte ich keine Zeit!«

»Was tatest du denn?« fragten die Ameisen. »Ich sang«, erwiderte sie, »und ihr wisst, dass mein Gesang den Menschen zum Einschlafen nötig ist.«

»Wenn dem so ist«, höhnten sie sie, »so lass dich von denen jetzt füttern, die du in den Schlaf gesungen.«

Wer in der Jugend nicht sammelt, muss im Alter darben.

Hans Sachs Europa


Darf ich ehrlich sein, diese zweite Fabel erinnert mich an gewisse Politiker und unser Rentensystem. Hier höre ich auch immer, spart in der Jugend, damit ihr im Alter etwas habt. Was ist aber mit der Jugend, wenn sie in ihrem alter nicht sparen können? Ich finde keine Antwort ...


Mittwoch, 25. Juni 2014

Das Lied der Vögel ...

Als ich heute meine Augen aufschlug, drückten sie noch. Der Schlaf war noch nicht von ihnen gewichen, sie wollten wieder in Schlaf versinken, doch ich wollte nicht. Es war der Sonnenschein, der mich aus dem Bett holte und mich munter werden ließ. Nach meinem Gang auf den Balkon wollte ich am liebsten ein Liedchen singen. Es kam aber nur ein Krächzen aus der Kehle, so las ich eben einige Sommer-Gedichte ... sie machten mich auch froh. Mein Tag konnte heiter beginnen.






Wie freu' ich mich der Sommerwonne!
    
Wie freu' ich mich der Sommerwonne,   
Des frischen Grüns in Feld und Wald,   
Wenn's lebt und webt im Glanz der Sonne  
Und wenn's von allen Zweigen schallt!
    
Ich möchte jedes Blümchen fragen:   
Hast du nicht einen Gruß für mich?   
Ich möchte jedem Vogel sagen:  
Sing,  Vöglein,  sing und freue dich! 
    
Die Welt ist mein, ich fühl es wieder:  
Wer wollte sich nicht ihrer freu'n,   
Wenn er durch frohe Frühlingslieder    
Sich seine Jugend kann erneu'n?
    
Kein Sehnen zieht mich in die Ferne, 
Kein Hoffen lohnet mich mit Schmerz; 
Da wo ich bin,  da bin ich gerne, 
Denn meine Heimat ist mein Herz.

Hoffmann von Fallersleben  




Das Lied der Vögel

Wir Vögel haben's wahrlich gut,
Wir fliegen, hüpfen, singen.
Wir singen frisch und wohlgemut,
Das Wald und Feld erklingen.

Wir sind gesund und sorgenfrei,
Und finden, was uns schmecket;
Wohin wir fliegen, wo's auch sei,
Ist unser Tisch gedecket.

Ist unser Tagewerk vollbracht,
Dann zieh'n wir in die Bäume,
Wir ruhen still und sanft die Nacht
Und haben süße Träume.

Und weckt uns früh der Sonnenschein,
Dann schwingen wir's Gefieder,
Wir fliegen in die Welt hinein
Und singen unsre Lieder.

Hoffmann von Fallersleben 




Sommer
     
Zwischen Roggenfeld und Hecken 
Führt ein schmaler Gang; 
Süßes,  seliges Verstecken 
Einen Sommer lang.  
     
Wenn wir uns von ferne sehen, 
Zögert sie den Schritt, 
Rupft ein Hälmchen sich im Gehen, 
Nimmt ein Blättchen mit.    
     
Hat mit Ähren sich das Mieder 
Unschuldig geschmückt, 
Sich den Hut verlegen nieder 
In die Stirn gedrückt.    
     
Finster kommt sie langsam näher, 
Färbt sich rot wie Mohn; 
Doch ich bin ein feiner Späher, 
Kenn die Schelmin schon.     
     
Noch ein Blick in Weg und Weite, 
Ruhig liegt die Welt, 
Und es hat an ihre Seite 
Mich der Sturm gestellt.     
   
Zwischen Roggenfeld und Hecken 
Führt ein schmaler Gang; 
Süßes, seliges Verstecken
Einen Sommer lang. 

Detlev von Liliencron


Dienstag, 24. Juni 2014

Der Schamchal und der Bettler

Heute gefallen mir zwei Fabeln eine aus Russland, die andere aus Deutschland. Sie sind in meinen Augen sehr weise und man sollte sie auch in der heutigen Zeit mal gedanklich durchspielen.  Mehr nicht ... und ich muss sagen, die Fabel aus Deutschland gefällt mir sehr gut.

Der Schamchal und der Bettler

Dem Schamchal (ein Herrschertitel) aus Asaini begegnete einst ein alter Bettler. Sprach der Schamchal zum Bettler: »Du bist in vielen Aulen gewesen, hast viele Menschen gesehen, erzähle mir etwas Interessantes und Lehrreiches!«

»Es gibt nichts Lehrreicheres auf Erden als die Tatsache, dass der Mensch sterblich ist«, entgegnete der Bettler. »Erzähle mir etwas Angenehmeres.«

»Es ist sehr schön, dass die Toten nicht wiederkehren«, entgegnete der Bettler. Diese Worte missfielen dem Schamchal. »Fort aus meinem Haus, du Narr! Du weißt nur unangenehme Dinge zu sagen!«

»Warte! Jage mich nicht fort, bevor ich dir nicht noch etwas gesagt habe!« Der Bettler verstummte, um dann fortzufahren: »Schamchal, wenn die Menschen nicht stürben, so würden alle Schamchale, die vor dir herrschten, noch leben, und du hättest niemals das Khanat geerbt. Wenn aber die Toten zurückkehren würden, so würden sich die früheren Khane gegen dich erheben und dich von deinem Thron verjagen.« Da erkannte der Schamchal die Weisheit des alten Bettlers und behielt ihn in seinem Palast.

Russland - Dagestan


Das Testament

»Sohn«, fing der Vater an, indem er sterben wollte, »wie ruhig schlief ich jetzt nicht ein, wenn ich nach meinem Tod dich glücklich wissen sollte! Du bist es
wert und wirst es sein. Hier hast du meinen letzten Willen; sobald du mich ins Grab gebracht, so brich ihn auf und such' ihn zu erfüllen, so ist dein Glück gewiss gemacht, versprich mir dies, so will ich freudig sterben.«

Der Vater starb, und kurz darauf brach auch der Sohn das Testament schon auf und las: »Mein Sohn, du wirst von mir sehr wenig erben, als etwan ein gut Buch und meinen Lebenslauf, den setz ich dir zu deiner Nachricht auf. Mein Wunsch war meine Pflicht. Bei tausend Hindernissen befliss ich stets mich auf ein gut Gewissen. Verstrich ein Tag, so fing ich zu mir an: ›Der Tag ist hin; hast du was Nützliches getan? Und bist du weiser als am Morgen?‹ Dies, lieber Sohn, dies waren meine Sorgen. So fand ich denn von Zeit zu Zeit zu meinem täglichen Geschäfte mehr Eifer und zugleich mehr Kräfte und in der Pflicht stets mehr Zufriedenheit.
So lernt' ich, mich mit Wenigem begnügen, und steckte meinem Wunsch ein Ziel. ›Hast du genug‹, dacht' ich, so hast du viel; und hast du nicht genug, so wird's die Vorsicht fügen. Was folgt dir, wenn du heute stirbst? Die Würden, die dir Menschen gaben? Der Reichtum? Nein, das Glück, der Welt genützt zu haben. Drum sei vergnügt, wenn du dir dies erwirbst.' So dacht' ich, liebster Sohn, so sucht' ich auch zu leben. Vergiß es nicht: Das wahre Glück allein ist, ein rechtschaffner Mann zu sein.«

Christian Fürchtegott Gellert - Mitteleuropa - Deutschland

Diese Fabel auf die Welt verteilt und befolgt, würde eine glücklichere Welt ergeben. Was sie es auch wert wäre.


Montag, 23. Juni 2014

Dornröschen´s Tao

Heute möchte ich zwei kleine Fabeln erzählen, ohne dass ich sie groß kommentieren möchte. Nur bei der Geschichte vom alten Sperling, habe ich das empfinden, es geht mir genau so. Trotzdem ich die Jugend nicht beschimpfe, wenn sie keine Gewalt gegen andere Menschen im Kopf haben. Doch über den nachfolgenden Satz denke ich nach:
 >>wenn wir so alt sind als du, so wollen wir auch aus Unvermögen uns zur Weisheit begeben und über Liebe und Freuden philosophieren.<<


Ich gestehe, in der Jugendzeit habe ich selten solche Gedanken gehegt, wie momentan.



Dornröschen´s Tao

Viele Jahre hatte Dornröschen geschlafen, jetzt wird sie wach.
Sie schaut sich um, aber sieht niemand, der sie retten möchte. Sie schläft wieder ein.
Jahre gehen vorbei und eines Tages erwacht sie wieder.
Sie schaut nach links, nach rechts, nach hinten und nach vorne, aber es ist keiner da, kein Prinz, kein Junker und auch kein Gärtner mit einer Heckenschere. Dornröschen legt sich wieder hin und schläft ein.
Schließlich wird sie zum dritten Mal wach.
Sie öffnet ihre Augen, aber noch immer sieht sie niemanden.
Da sagt sie zu sich selbst: „So, jetzt ist es aber genug!“
Sie steht auf und ist frei!


Der alte Sperling

»Schämt Ihr Euch nicht«, rief ein alter Sperling seinen Jungen zu, die mit muntern Weibchen tändelten und kosten, »fühlt Ihr nicht, dass dieses unanständig und erniedrigend ist; Ihr verschmäht die Weisheit, die unsre Seele zu den Unsterblichen hebt.« »Bleib du bei deiner Weisheit«, riefen ihm die losen Jungen zu, »und lass uns jetzt genießen; wenn wir so alt sind als du, so wollen wir auch aus Unvermögen uns zur Weisheit begeben und über Liebe und Freuden philosophieren.«



Wünsche euch allen eine wunderschöne Woche.

Herzlichst Margot

Sonntag, 22. Juni 2014

Der Kranich und das Füchschen ...

Aus der nachfolgenden Fabel von Zentralasien lerne ich, es kommt nicht darauf an, wie klug ich von den anderen Menschen eingestuft werde. Für mich ist es wichtig, dass ich mir helfen kann, wenn es darauf ankommt. Wem nützen die vielen Schlauheiten, wenn ich mir einfach nicht helfen kann und das Nachsehen habe, wenn es wirklich darauf ankommt.

Der Kranich und das Füchschen

Ein Kranich und ein Füchschen waren Freunde. Als die beiden Freunde zusammengingen, wurden sie von Jägern verfolgt. Als der Kranich diese kommen sah, sprach er zum Füchschen: »Uns verfolgen Menschen. Wohin sollen wir gehen?« Der Fuchs sprach: »Ich habe zwölf Schlauheiten, ich werde die Rettung schon finden, lass uns alle beide in meine Höhle kriechen.« Der Kranich stimmte seinem Freunde bei und kroch mit dem Fuchs zusammen in die Höhle. Die Menschen waren ihrer Spur gefolgt und gruben ihnen nach. Der Fuchs wusste sich nicht zu helfen und fragte den Kranich: »Wieviel Schlauheiten hast du denn?«

»Nur eine einzige«, sagte der Kranich. Darauf fragte er den Fuchs: »Wieviel Schlauheiten hast du denn, Fuchs?« Der Fuchs sprach: »Sechs sind mir noch geblieben.« Als die Menschen bis zur Hälfte ausgegraben hatten und das Füchschen keine Rettung gefunden hatte, fragte es den Kranich: »Ist dir keine Schlauheit zugekommen?« Der Kranich sprach: »Ich habe immer nur noch eine Schlauheit.« Das Füchschen sprach: »Drei sind mir nur noch geblieben.« Die Menschen gruben, und als sie ganz nahe gekommen waren, und als das Füchschen festsaß, fragte es den Kranich: »Ach, Freund, ist dir keine Schlauheit zugekommen?« Der Kranich sprach: »Ich habe immer nur eine Schlauheit.« Nachdem der Kranich so gesprochen, tat er, als ob er tot daläge. Als die Menschen sie erreichten, sagten sie: »Der Fuchs hat einen Kranich gefangen, nehmt ihn und werft ihn beiseite.« Als sie den Kranich fortgeworfen hatten, breitete dieser, der nur eine Schlauheit hatte, die Flügel aus und flog davon; den Fuchs, der zwölf Schlauheiten hatte, töteten sie und zogen ihm das Fell ab.

Anstatt viel zu sein und Kehricht, sei nur wenig und sei Kunst.

Zentralasien

Zu dieser nachfolgenden Geschichte fällt mir ein, auch ich habe schon solche Gedanken gehabt, wenn ich etwas nicht gefunden habe. Hinterher schäme ich mich, über solch unmöglichen Gedankengänge ...

Der Axtdieb

Ein Mann fand eines Tages seine Axt nicht mehr. Er suchte und suchte, aber sie war verschwunden.
Der Mann wurde ärgerlich und verdächtigte den Sohn seines Nachbarn, die Axt genommen zu haben.
An diesem Tag beobachtete er den Sohn seines Nachbarn ganz genau.
Und tatsächlich: Der Gang des Jungen war der Gang eines Axtdiebes. Die Worte, die er sprach, waren die Worte eines Axtdiebes. Sein ganzes Wesen und sein Verhalten waren die eines Axtdiebes.
Am Abend fand der Mann die Axt durch Zufall hinter einem großen Korb in seinem eigenen Schuppen.
Als er am nächsten Morgen den Sohn seines Nachbarn erneut betrachtete, fand er weder in dessen Gang, noch in seinen Worten oder in seinem Verhalten irgendetwas von einem Axtdieb.


Ich finde, manchmal ist man sehr ungerecht in seinen Gedanken. Man sollte mit seinen Verdächtigungen wirklich nicht zu schnell sein, man spart sich das Schamgefühl.


Samstag, 21. Juni 2014

Retten, Helfen, Geben

Joujou_pixelio.de
Gestern habe ich über das Geben, Helfen, mehr über das Retten gesprochen, verpackt in einer Fabel vom Skorpion und dass man trotzdem oft gestochen wird. Heute möchte ich nachsehen, was "große Geister" dazusagen. Natürlich im übertragenem Sinne. Albert Schweitzer sagte:




Der wahrhaft Ethische nimmt sich die Zeit, einem Insekt, das in einen Tümpel gefallen ist, ein Blatt oder einen Halm zur Rettung hinzuhalten. Und er fürchtet sich nicht, als sentimental belächelt zu werden.
Albert Schweitzer



Ein Bodhisattva, haftet noch an der Vorstellung, Lebewesen zu retten oder ihnen zu helfen. Er klebt an der Idee. Ein Buddha hingegen tut diese Dinge einfach unmittelbar, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Ein Buddha ist jemand, der ununterbrochen hilft, allerdings ohne selbst-bewusstes Denken, ohne spezielle Absicht.
Philip Kapleau



Wer einen Ertrinkenden retten will, muss sich nass machen, wer einen Entlaufenen einfangen will, muss rennen.
Lü Bu We


Es gibt Menschen, die immer die Gebenden sein möchten und es niemals zustande bringen, die Nehmenden zu sein. Diese Unfähigkeit, zu nehmen, ist vielleicht die verletzendste menschliche Hochmut.
Franz Werfel


Wir vergeben dem Geber nie ganz. Die Hand, die uns füttert, ist immer in einer gewissen Gefahr, gebissen zu werden.
Ralph Waldo Emerson


Die Münze, die du in die ausgestreckte Hand des Hungernden legst, ist wie ein goldener Ring, der dein menschliches Herz mit dem Göttlichen verbindet.
Khalil Gibran


Es gibt Menschen, die mit Freude geben, und diese Freude ist ihr Lohn. [...] 
Sie geben, wie im Tal dort drüben die Myrte ihren Duft verströmt. 
Durch die Hände solcher Menschen spricht Gott zu uns 
und durch ihre Augen lächelt er auf die Welt.
Khalil Gibran



Ihr sagt oft: "Ich würde geben, aber nur dem, der es verdient." 
Die Bäume in eurem Obstgarten reden nicht so, 
und auch nicht die Herden auf euren Weiden. 
Sie geben, damit sie leben dürfen, 
denn zurückhalten heißt zugrundegehen.
Khalil Gibran


Unser Verstand ist ein Schwamm, unser Herz ein Strom. Ist es nicht seltsam, dass die meisten von uns lieber das Saugen wählen, statt sich zu ergießen?
Khalil Gibran



So, damit möchte ich es für heute genug sein lassen, es wäre schön, wenn ihr Wahrheit in diesen Zitaten finden würdet und sagt, ja so ist es.