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Dienstag, 30. September 2014

Großes Vertrauen

... bei dieser nachfolgenden Geschichte musste ich mit Gefühlen kämpfen. Sie passt überhaupt nicht zu diesem schönen Tag. Der Tag ist wieder, wie die vergangenen Tage, ein Herbst-Lichtblick. Sonne, Wärme, einfach schön.
Diese Geschichte ist nicht schön, aber sie ist wenigstens gut ausgegangen, was mich versöhnt ...


Ich sehe dich - und das reicht schon

Eines Nachts bricht in einem Haus ein Brand aus.
Während die Flammen hoch auflodern, stürzen Eltern und Kinder aus dem Haus. Entsetzt sehen sie, wie das Feuer ihr Heim vernichtet.
Plötzlich bemerken sie, dass der Jüngste fehlt, ein fünfjähriger Junge, der sich im Augenblick der Flucht vor Rauch und Flammen fürchtete und sich versteckte. Man schaut einander an. Es gibt keine Möglichkeit, zurück in das brennende Haus zu gelangen.
Da öffnet sich ein Fenster. Der Junge ruft um Hilfe.
Sein Vater sieht es und ruft ihm zu »Spring!«
Der Junge sieht nur Rauch und Flammen.
Er hört aber die Stimme des Vaters und schreit: »Papa, ich sehe dich nicht!«
Der Vater ruft ihm zu: »Aber ich sehe dich, und das reicht schon. Spring!«
Der Junge springt und findet sich heil in den Armen seines Vaters wieder, der ihn aufgefangen hat.

Nun möchte ich noch eine Geschichte aufschreiben, die das Leben betrachtet.


Das Gewicht des Lebens

Ein junger Mann kam zu einem alten Weisen.

"Meister", sprach er mit schleppender Stimme "das Leben liegt mir wie eine Last auf den Schultern. Es drückt mich zu Boden und ich habe das Gefühl, unter diesem Gewicht zusammenzubrechen."

"Mein Sohn" sagte der Alte mit einem liebevollen Lächeln, "das Leben ist leicht wie einer Feder."

"Meister, bei allem Respekt, aber hier musst Du irren. Denn ich spüre mein Leben Tag für Tag wie eine tonnenschwere Last auf mir lasten. Sag, was kann ich tun?"

"Wir sind es selbst, die uns Last auf unsere Schultern laden." sagte der Alte, noch immer lächelnd. 

"Aber..." wollte der junge Mann einwenden.

Doch der alte Mann hob die Hand: "Dieses "Aber", mein Sohn, wiegt allein schon eine Tonne..."

(Quelle unbekannt)


Ja, das Leben ist nicht immer leicht, auch und wenn ich nicht "aber" sage und wenn es ein weiser Mensch ist, der diese Worte sagt.





Montag, 29. September 2014

Groll-Kartoffeln

... der heutige Tag ist wieder ein Tag, der in den Büchern als ein wunderschöner Herbsttag beschrieben werden kann. Angefangen vom herrlichen Sonnenschein, über blauem Himmel, zu einem lauen Wind. Ich betrachte meine Blumen auf dem Balkon und sehe, nur bei einigen Pflanzen, gelbe Blätter an ihnen hängen. Sie sehen schön aus und ich hätte keinen Groll, aber als ich die folgende Geschichte lese, muss ich gestehen, mein Rucksack wäre nicht leer ... leider. Es fällt mir sehr schwer zu verzeihen, den Toten und den Lebenden.


Groll-Kartoffeln


Ein Lehrer bat seine Schüler, in die nächste Stunde einen Rucksack und einen Sack Kartoffeln mitzubringen. Für jeden Menschen, dem sie etwas nicht verzeihen wollten, das er ihnen in ihrem Leben angetan hatte, sollten die Schüler eine möglichst große Kartoffel wählen, auf diese dessen Namen schreiben und die Kartoffel in den Rucksack legen.


Diesen Rucksack voller Kartoffeln sollten sie eine Woche lang mit sich herumtragen, d.h. überall dahin mitnehmen, wo sie hingingen und an die Personen denken, deren Namen auf den Kartoffeln standen. Dabei sollten sie sich fragen, wem davon sie am leichtesten verzeihen könnten. Einige trugen nun leichte Rucksäcke, viele aber sehr schwere Rucksäcke auf dem Rücken. Alle Schüler waren startbereit.

Doch jedesmal, so schloss der Lehrer, wenn sie sich in der Lage fühlten, einem dieser Menschen, von dem sie sich verletzt fühlten, voll und ganz zu verzeihen, durften sie die Kartoffel mit seinem Namen aus dem Rucksack herausnehmen und beiseitelegen. Dann galt es, sich hinsichtlich der verbliebenen Kartoffeln weiter zu fragen, wem sie denn nun am leichtesten vergeben könnten. Wenn sie sich voll und ganz in der Lage fühlten, zu verzeihen, durften sie auch diese Kartoffel mit dem entsprechenden Namen aus dem Rucksack nehmen und so weiter.

Am Ende der Woche kamen alle wieder zusammen. Einige Rucksäcke waren ganz leer, andere leichter geworden. Es gab niemanden, dessen Rucksack noch so gefüllt war wie eingangs der Woche. Alle Schüler strahlten. Die herausgenommenen Kartoffeln türmten sich zu einem beachtlichen Berg auf. Gemeinsam schälten Schüler und Lehrer die Namen von den Kartoffeln ab, kochten die Kartoffeln in einem großen Topf und bereiteten einen leckeren Brei zu, von dem jeder etwas abbekam.

Na gut, ich hätte auf den Brei verzichtet ...


Sonntag, 28. September 2014

Tagträume ...

Was für ein herrliches Herbstwetter herrscht heute in Hessen. Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau und ich habe Träume, natürlich mit offenen Augen. Trotzdem meine Nacht nicht besonders war, die Augen waren zu, aber der Schlaf kam nicht. So träume ich eben, wie in der nachfolgenden Geschichte es beschrieben wird, oder so ähnlich ... ;-)



Der legendäre Tennisspieler

Es war einmal ein legendärer Tennisspieler. Nie verfehlte er einen Ball, und nie schlug er einen ins Aus. Niedrige Bälle, die nur Millimeter übers Netz zischten, waren für ihn kein Problem. Sein erster Aufschlag saß immer, in entscheidenen Situationen schlug er nur Asse. Es gelang ihm, jedes Spiel zu seinen Gunsten zu wenden. Er war auch nach zwei Stunden Match flink wie eine Gazelle, wurde niemals müde, und nie rutschte ihm ein Schimpfwort über die Lippen.

Tatsächlich wäre er einer der größten Tennisspieler aller Zeiten gewesen, wenn man ihn nur dazu hätte bewegen können, sein Bier zur Seite zu stellen und von der Pressetribüne auf das Spielfeld zu steigen...?


Ich trinke kein Bier, aber ich bin, glaube ich, zu faul oder zu bequem meine Träume umzusetzen. Diesen Traum vom Tennisspieler möchte ich gar nicht umsetzen, da hat mein "Alter" etwas dagegen. :-)



Auf dem Markt



Eine Frau träumte des Nachts, einen Markt zu besuchen. Dort inmitten all der Stände traf sie an einem von ihnen erstaunlicherweise Gott. Scheu näherte sie sich dem Stand.

"Was verkaufst du hier?" wollte sie von ihm wissen.

Gott antwortete ihr: "Alles, was das Herz begehrt."

Die Frau war zunächst völlig verblüfft. Als sie sich wieder gefasst hatte, beschloss sie, diese Gelegenheit zu nutzen und das Beste zu verlangen, was sich ein Mensch nur wünschen kann.

"Ich möchte Frieden für meine Seele und Liebe und Glück. Und weise möchte ich sein und nie mehr Angst haben." sagte die Frau zu Gott. "Und das nicht nur für mich allein, sondern für alle Menschen."

Gott lächelte. "Ich glaube, du hast mich missverstanden. Ich verkaufe hier keine Früchte, sondern die Samen."


Zu dieser Geschichte möchte ich sagen, es wäre auch mein größter Traum. Den Samen habe ich in jungen Jahren erhalten, aber er wurde leider nicht an die Welt weitergegeben. 


Samstag, 27. September 2014

Der mittlere Pfad ...

... der Tag fing heute wieder mit trübem Wetter an, es war aber nicht kalt. So zog ich heute zum Einkauf, um mich fürs Wochenende vorzubereiten. Die Taschen waren vollgepackt, als ich zurückkam und ich war froh, dass ich meinen Einkaufswagen mithatte. So war der Einkauf für mich leichter und ich merkte, wenn die Jahre voranschreiten, man wird nicht jünger und kräftiger. Nein, es war kein Rollator, wie es dieses Bild links zeigt ... sondern so wie rechts. Doch ich möchte nicht darüber schreiben, sondern ein paar kleine Geschichten erzählen ...


 Der mittlere Pfad

Als Buddha zu seiner spirituelle Suche aufbrach, führte er ein Leben voller Entbehrungen und strenger Askese. 

Eines Tages gingen zwei Musiker an dem Baum vorüber, unter dem er meditierend saß. Einer sagte zum anderen: "Spann die Saiten deiner Sitar nicht zu fest, oder sie werden reißen. Und lass sie nicht zu locker hängen, denn dann kannst du darauf keine Musik machen. Halte dich an den mittleren Weg."

Diese Worte trafen den Buddha mit solcher Wucht, dass sie seinen Weg der Spiritualität grundlegend veränderten. Er war überzeugt, dass die Worte für sein Ohr bestimmt waren. Von diesem Augenblick an gab er alle strengen Grundsätze auf und begann einem Weg zu folgen, der leicht und hell war, den Weg der Mäßigung. Und tatsächlich wird sein Zugang zur Erleuchtung der Mittlere Pfad genannt.

Anthony de Mello


Die besten Samen teilen

Ein Bauer, der auf Landwirtschaftsmessen häufig den ersten Preis gewann, zeigte ein bemerkenswertes Verhalten. Er teilte nämlich seine besten Maissamen mit seinen Nachbarn, die sich verständlicherweise darüber freuten.

Seine Konkurrenten wunderten sich über seine Großzügigkeit und fragten, warum er das denn tue.

Die Antwort: "Das liegt doch in meinem eigenen Interesse. Der Wind trägt bekanntlich die Pollen von den Nachbarfeldern zu meinen Feldern. Was würde wohl geschehen, wenn meine Nachbarn minderwertigen Mais anbauen? Dies würde die Qualität meines Mais beeinträchtigen. Da muss es doch in meinem Interesse sein, dass sie nur den allerbesten Mais anpflanzen!"

aus: Jürgen Fuchs: Das Märchenbuch für Manager



Freitag, 26. September 2014

Herbstzeit


... nun ist nach dem Kalender zu urteilen, der richtige Herbst gekommen. Das Wetter ist sonnig-trüb, die Luft ist kühl und die Blätter der Bäume und Büsche, verfärben sich in gelb- und rotbraunen Tönen ... so verfärben sich auch meine Gedanken in Herbstfarben.



„Gedichte sind gemalte Fensterscheiben.“...

Johann Wolfgang von Goethe


Bernd Kasper_Pixelio.de

Herbst ...

Ich sah den Wald sich färben, 
Die Luft war grau und stumm; 
Mir war betrübt zum Sterben, 
Und wußt' es kaum, warum. 

Durchs Feld vom Herbstgestäude 
hertrieb das dürre Laub; 
Da dacht' ich: Deine Freude 
ward so des Windes Raub.

Dein Lenz, der blütenvolle, 
Dein reicher Sommer schwand; 
an die gefrorne Scholle 
Bist Du nun festgebannt.

Da plötzlich floß ein klares 
Getön in Lüften hoch: 
Ein Wandervogel war es, 
der nach dem Süden zog.

Ach, wie der Schlag der Schwingen, 
das Lied ins Ohr mir kam, 
Fühlt' ich's wie Trost mir dringen 
zum Herzen wundersam.

Es mahnt' aus heller Kehle 
mich ja der flücht'ge Gast: 
Vergiß, o Menschenseele, 
nicht, daß Du Flügel hast.

Emanuel Geibel


Gordon Gross_pixelio.de

Spaziergang am Herbstabend 

Wenn ich abends einsam gehe 
Und die Blätter fallen sehe, 
Finsternisse niederwallen, 
Ferne, fromme Glocken hallen: 
Ach, wie viele sanfte Bilder, 
Immer inniger und milder, 
Schatten längst vergangner Zeiten, 
Seh ich dann vorübergleiten. 

Was ich in den fernsten Stunden, 
Oft nur halb bewußt, empfunden, 
Dämmert auf in Seel' und Sinnen, 
Mich noch einmal zu umspinnen. 
Und im inneren Zerfließen 
Mein ich's wieder zu genießen, 
Was mich vormals glücklich machte, 
Oder mir Vergessen brachte. 

Doch, dann frag ich mich mit Beben: 
Ist so ganz verarmt dein Leben? 
Was du jetzt ersehnst mit Schmerzen, 
Sprich, was war es einst dem Herzen? 
Völlig dunkel ist's geworden, 
Schärfer bläst der Wind aus Norden, 
Und dies Blatt, dies kalt benetzte, 
Ist vielleicht vom Baum das letzte.

Christian Friedrich Hebbel




Der scheidende Sommer 

Das gelbe Laub erzittert, 
Es fallen die Blätter herab; 
Ach, alles was hold und lieblich, 
Verwelkt und sinkt ins Grab. 

Die Gipfel des Waldes umflimmert 
Ein schmerzlicher Sonnenschein; 
Das mögen die letzten Küsse 
des scheidenden Sommers sein. 

Mir ist, als müßt ich weinen 
Aus tiefstem Herzensgrund; 
Dies Bild erinnert mich wieder 
An unsere Abschiedsstund'. 

Ich mußte von dir scheiden, 
Und wußte, du stürbest bald; 
Ich war der scheidende Sommer, 
Du warst der sterbende Wald.

Heinrich Heine (1797 - 1856),



Donnerstag, 25. September 2014

Zu Klein, für mein Gewicht ...

Habt ihr schon einmal eine kalte Sonne erlebt? So habe ich heute gedacht, als die Sonne schien, aber die Luft war kalt. Na gut, ich weiß, es gibt keine kalte Sonne aber man sagt es so. Deshalb habe ich mich heute auf verschiedene Sprüche und Witze orientiert und sie aufgeschrieben. Sprüche die Menschen wie mich, die mit einer "Schutzschicht" belegt sind, am besten gefallen. Dazu kommen noch andere witzige Sprüche ...



Natürlich mache ich gerne Sport. Deshalb auch so selten. Soll ja was besonderes bleiben.

Ich habe heute mal wieder Sport gemacht. Ritter Sport. Zwei Tafeln.

Ich esse nicht einfach Schoko. Ich gebe Kalorien ein Zuhause.

Ich habe mich heute gewogen. Ich bin zu klein.

Ich liebe mein Sixpack so sehr, das ich es mit einer Schutzschicht aus Fett schütze!

Ich würde ja abnehmen, aber dann wär ich klug, witzig, kreativ, charmant, hübsch UND schlank. Das wär nicht fair.

Zur Sicherheit habe ich beim Schlafen immer ein Messer unter dem Kopfkissen. Man weiß ja nie, vielleicht bringt jemand Kuchen vorbei.

Ich bin nicht dick, ich hab nur mehr Kuschelfläche

Lieber etwas Speck auf der Hüfte als Magersucht im Gehirn!


Nun möchte ich noch ein paar andere Sprüche aufschreiben, die mir gefallen.

Shalom heißt Friede. Was heißt El Shalom? Elfriede

Ein Leben in Armut: Esse Käse mit Schimmel, trinke alten Wein, fahre ein Auto ohne Dach, habe eine Handy ohne Tasten.

Sie müssen Ihren Kopf nicht mit den Händen stützen. Hohlkörper fliegen allein!

Ich hasse meine Bank. Die berechnen mir Geld dafür, dass ich kein Geld auf dem Konto hab. Anscheinend kann ich es mir nicht leisten pleite zu sein.


Lieber eingebildet ausgehen als ausgebildet eingehen.

Auch wenn der Weg das Ziel ist … irgendwann wäre es schön, mal anzukommen.

A: Ich hab heute die Deutsche Bahn verarscht. B: Echt? Wie denn? A: Ich hab Ticket gekauft, bin aber gelaufen!

“Mama”, fragt Fritzchen,”magst du Papas Freund?” “-Ja!” “Und warum sperrst du ihn immer in den Schrank, wenn Papa kommt?”

Lehrer: Hitze dehnt aus, Kälte zieht zusammen. Wer kennt Beispiele? Fritz: Ja – Sommerferien dauern 6 Wochen, Weihnachtsferien nur 14 Tage

Warum nimmt eine Blondine immer ein Stück Brot mit auf die Toilette? Damit sie die WC-Ente füttern kann!

Blondine sieht zum erstenmal die Ebbe. “Frechheit”, “kaum sind wir hier, haut das Meer ab!”


Was macht eine Blondine wenn sie zu viel Wasser gekocht hat? Sie friert es ein, heißes Wasser kann man immer gebrauchen

Psychiater: “Ich kenne Ihr Problem noch nicht, darum fangen Sie am besten ganz am Anfang an.”  “Am Anfang schuf ich Himmel und Erde ...”


Also mit dem Psychiater möchte ich meine Reihe von sinnigen und unsinnigen Sprüchen beenden. In der Zwischenzeit ist auch die Sonne etwas wärmer geworden und ich fühle mich etwas lockerer. Ohne Albernheit und Humor wäre mein Leben nicht zu denken. Hoffentlich denkt ihr auch so ... :-))

Für heute sage ich ...

Mittwoch, 24. September 2014

Wo wohnt das Glück?

... bei diesem Dichter Heinrich Seidel muss ich wieder sagen, alle guten Dinge sind drei. Sein Schreibstil gefällt mir sehr, er ist so flüssig. Nein, nicht überflüssig, sondern die Gedichte lassen sich sehr gut lesen und der Text kommt, sehr nah meinen Gedanken. Und ich habe noch einige Gedichte gefunden, die in meine Stimmung passen. Bitte, wenn sie euch nicht gefallen, dann bitte nicht schimpfen, morgen kommt etwas anderes ... versprochen.
Doch es kommen noch ein paar Fotos von mir dazu, so verpackt mit Gedichten, finde ich sie schön ... oder es schön.




Erinnerung

Wie war die schöne Sommernacht
So dunkel, mild und warm, –
Wie schrittest du so still und sacht
Gelehnt auf meinen Arm. –

Von ferne klang, man hört' es kaum.,
Musik mit leisem Schall,
Im blüthenduftgem Gartenraum
Sang eine Nachtigall.

Ein holdes schweigendes Verstehen
War zwischen mir und dir,
Ein selig Beieinandergehn,
Und glücklich waren wir.

Die schöne Zeit, sie liegt so weit –
Verweht wie eitel Schaum.
Sie liegt so weit die schöne Zeit,
Versunken wie ein Traum.

Wie schrittest du so still und sacht
Gelehnt auf meinen Arm. –
Wie war die schöne Sommernacht
So dunkel, mild und warm.

Heinrich Seidel




Wo wohnt das Glück?

Sagt mir doch, ihr flinken Schwalben,
Die ihr schweift in hohen Lüften
Ueber Wälder, Seen und Wiesen,
Die ihr kennt den ganzen Umkreis,
Südwärts auch die sonn'gen Länder,
Eure ferne Winterheimath –
Sagt, ihr weitgereisten Schwalben,
Sagt mir doch, wo wohnt das Glück?!

Doch die Schwalben streifen lustig
In den sonndurchglänzten Lüften
Auf- und abwärts, hin und wider,
Und sie schwingen sich und schweben
Und sie geben mir nicht Antwort!

Sagt mir doch, ihr schnellen Wolken
In dem fernen Blau des Himmels –
Sagt – ihr wandelt vom Aequator
Zu des fernen Poles Eisnacht
Ueber Berge, über Meere
Und ihr kennt die ganze Erde,
Und ihr schaut in alle Länder –
Sagt, ihr weissen Wanderwolken,
Sagt mir doch, wo wohnt das Glück?!

Doch die Wolken ziehn und weben
Heiter glänzend still vorüber,
Baun sich auf zu Götterburgen,
Lösen sich in Lämmerherden,
Ewig wechseln sie das Schauspiel,
Und sie schwinden und verwehen
Und sie geben mir nicht Antwort!





Sagt mir doch, ihr ew'gen Sterne,
Die ihr schaut mit goldnen Augen
In des Weltalls fernste Tiefen,
Die ihr kennt Millionen Welten
Sagt, ihr uralt klugen Sterne,
Sagt mir doch, wo wohnt das Glück?!

Doch die Sterne wandeln schweigend
Durch das unermessne Weltall
Ihren urbestimmten Pfad,
Und sie funkeln und sie scheinen,
Steigen auf und sinken nieder
Und sie geben mir nicht Antwort'.

Alle können es nicht sagen,
Denn so winzig ist sein Wohnort,
Dass sie nimmer ihn erblickten,
Nimmer, denn es wohnt das Glöck
Zwischen Werden und Vergehen,
Zwischen zweien Augenblicken,
Auf der Spitze einer Nadel! 

Heinrich Seidel




Das Rothkehlchen

Friedlich sank der Abendschein
Hinter fernen Gipfeln,
Nur ein kleines Lied allein
Klang noch aus den Wipfeln.

Und was dieser Vogel sang
Mit der rothen Kehle,
Zog mit gleichgestimmtem Klang
Mir durch meine Seele.

Als es tönte mild und weich
Und wie sanfte Klage,
Da gedacht' ich wehmutsreich
Jener schönen Tage

Die begrenzte Jugendzeit
Schwand mit schnellen Flügeln
Wie das Abendroth so weit
Hinter jenen Hügeln.

 Heinrich Seidel




Umwandlung

Die du mir einst, du wilde Rose,
Das junge Knabenherz beglückt, –
Die du mich einst durch deine lose,
Anmuth'ge Schelmerei entzückt, –
So seh' ich dich nach Jahren wieder! –
Wir hatten Zeit, uns zu entfalten –
Ich kehre, fast der Alte, wieder,
Doch du hast keinen Zug behalten.

Wo blieb sie denn, die tolle Schöne,
Das wilde flatterhafte Ding?
O wie verwandelt ward der schöne
Buntfarbig leichte Schmetterling!
Hast einen Gatten – hast auch Kinder,
Und strickst und sprichst von Fleisch und Butter,
Wie Alles theuer wird geschwinder,
Und von den Sorgen einer Mutter.

So ganz erloschen und verloren
Der schöne Duft der Jugendzeit!
Du lächelst über mich, den Thoren,
Und strotzest von Vernünftigkeit.
Wirthschaftlich roth Gesicht und Hände –
Du musstest viel am Feuer stehn –
So muss ich, Rose, dich am Ende
Als Hagebutte wiedersehn! 



 Heinrich Seidel




Dienstag, 23. September 2014

Die goldene Zeit

Gestern habe ich Gedichte vom Dichter Heinrich Seidel aufgeschrieben, sie haben mir sehr gefallen.  Weil ich ihn noch nicht so kenne, möchte ich heute noch einige Gedichte aufschreiben. Warum? Sein Schreibstil gefällt mir, auch wenn er nicht alles ins Lächerliche zieht, sondern seine Worte sind für mich lustig und anheimelnd. Dazu möchte ich noch einige Blumenfotos setzen, die ich heute fotografierte ... ach ja, geregnet hat es heute noch nicht.




Die goldene Zeit

Ihr Blumen auf Wiesen und Weiden,
Ihr Rosen in Hecken und Heiden,
Blühet und glühet – es naht schon die Zeit
Dass ihr vom sonnigen Tag müsst scheiden!

Du Nachtigall dort auf der Halde,
Ihr Vögel im Feld und im Walde,
Singet und klinget so lang es noch Zeit:
Verstummt zum Süden fliegt ihr balde!

Du Jüngling in lockigen Haaren,
Du Mädchen in blühenden Jahren,
Nutzet die Jugend, die goldene Zeit!
Wie bald wird sie von dannen fahren!

Heinrich Seidel




Umkehrung

Mein Freund, ein ganz besondrer Fall,
Dass sie Dich neckt, entdeckt sich.
Sie neckt Dich gern, und überall
Gilt: »Was sich liebt, daß neckt sich!«

Draus schliessest Du nun Knall und Fall,
Dass sie Dich liebt, ergibt sich.
Da fragt sich's doch, ob überall,
Das, was sich neckt, auch liebt sich?

Heinrich Seidel




Es war einmal

O fiele ein Stern hernieder,
Ein goldner, in meinen Schooss!
O stände in Blüthen wieder
Mein dunkles Lebensloos!

Rings um mich, nah und ferne
Steht Alles in Rosen und Laub –
Es fallen viel tausend Sterne –
Und werden alle zu Staub!

Heinrich Seidel




Das Ich

Ich lag zur Nacht vom Schlaf geflohn –
Die Mitternacht vorüber schon,
Es schlief die Welt – so stumm die Nacht
Nur im Gebälk der Holzwurm wacht.
Knirscht hier und dort mit ems'gem Nagen.
Von Zeit zu Zeit die Uhren schlagen,
Zuweilen rieselt von den Wänden,
Gelöst von unsichtbaren Händen
Der Kalkstaub nieder – Alles nur,
Dass man die Stille hört in der Natur.
Ich lag und sann, und über mich
Da kam's mit einmal sonderlich,
Dass ich des Ich's mir ward bewusst,
Und seltsam schnürt es meine Brust,
Und wie ein Wunder fiel's mir ein
Das sonderbare Ding: Zu sein.
Dass ich hier lag und dass ich war,
Gar seltsam schien es mir fürwahr,
Und dass ich mitten in die Welt
Nun grade so dahingestellt,
Dass mir auch nimmer blieb ein Schein,
Wie es denn sollte anders sein.
Mich fasst' es wie ein Grauen schier –
So stand ich gleichsam ausser mir,
Betrachtend das kuriose Ding,
Das als mein »Ich« auf Erden ging.
Ein Sieden wühlte mir durch's Hirn
Und fiebernd pochte mir die Stirn –
Ich sah mich an der Schwelle stehn,
Wo wir das grosse Dunkel sehn,
An jenem unerforschten Pfad,
Den Niemand lebend noch betrat.

Heinrich Seidel




Im Herbst

Was rauscht zu meinen Füssen so?
Es ist das falbe Laub vom Baum!
Wie stand er jüngst so blüthenfroh
Am Waldessaum!

Was ruft zu meinen Häuptern so?
Der Vogel ist's im Wanderflug,
Der noch vor kurzem sangesfroh
Zu Neste trug.

Mein ahnend Herz, was pochst du so?
Du fühlst den Pulsschlag der Natur,
Und dass verwehen wird also
Auch deine Spur!

Heinrich Seidel




Nun möchte ich diese Gedichte, die mir sehr gefallen, beenden. Ich habe schon einige Gedichte mehr aufgeschrieben und meine Hoffnung besteht, dass sie euch nicht langweilen.



Montag, 22. September 2014

Die gute alte Zeit

Als ich mich heute aus dem Bett gerollt habe, hätte ich mich gleich wieder reingerollt, es regnete. Meine Gedanken wurden regnerisch und ich kämpfte, mit Erfolg, dagegen an. Schon alleine durch ein gutes Frühstück. Danach ging es weiter, mit einer Suche nach einem Schriftsteller, der das Leben nicht zu ernst nahm. Ich fand ihn in Heinrich Seidel, unter seiner kurzen Kurzbiografie konnte man Folgendes lesen:

Heinrich Seidel



Geboren am 25. Juni 1842 in Perlin (Mecklenburg); gestorben am 7. November 1906 in Großlichterfelde.
Seidel war der Sohn eines Pfarrers. Er studierte von 1860-1862 am Polytechnikum in Hannover, ab 1866 an der Gewerbeakademie in Berlin. Ab 1868 war er Ingenieur in einer Maschinenfabrik in Berlin. Seidel konstruierte als Ingenieur die Bedachung des Anhalter Bahnhofs. Seit 1880 lebte er als freier Schriftsteller und schilderte in Erzählungen die idyllischen Seiten des bürgerlichen Lebens.

Nun denn, einige seiner Werke ...



Begnüge dich, Liebste!
Heinrich Seidel
Motto:
Wohl kann ich dich zum Schokoladenladen laden,
Doch nicht mit dir in Baden-Baden baden.


Ich kann dir nicht, was andre schenken, schenken
Und nicht die Welt aus den Gelenken lenken.
Du darfst dich nicht auf Schmuck und Spitzen spitzen
Wirst nicht mit mir auf goldnen Sitzen sitzen,
Jedoch, der ich des Dichters Habe habe,
Vermag es, dass dich and're Labe labe:
Schon fühl' ich es von Liederkeimen keimen,
Ich will sie dir in goldnen Reimen reimen,
Dass dir gar lieblich ihr Getöne töne,
Und dich der Verse Schmuck verschöne, Schöne.


Dieses nachfolgende Gedicht gefällt mir besonders gut, ich sehe keinen Unterschied zwischen der großen Zeitspanne vom Ende des 19. Jahrhunderts, zum Anfang des 21. Jahrhunderts.


Die gute alte Zeit.
Heinrich Seidel
Zwei Alte sprechen:



»Das war die gute, alte Zeit,
Sie war so schön und liegt so weit
In blauem Duft begraben,
Und von dem heutigen Geschlecht
Da weiss doch keiner wohl so recht,
Was wir verloren haben.

Die Männer waren besser doch,
Und wirthschaftlich die Frauen noch,
Nicht wie die heut'gen Puppen.
Die laufen zu Musik und Tanz
Und putzen sich mit Flitterglanz
Und kochen schlechte Suppen.

Die Kinder waren nicht so keck
Und nicht so altklug wie ein Geck
Und trugen keine Brillen.
Auf ihre Eltern hörten sie
Und alte Leute ehrten sie
Und hatten keinen Willen.


Und Ordnung herrschte weit und breit,
Und Biederkeit, und Ehrlichkeit,
Man kannte keinen Schwindel.
Doch heut wo Alles fälscht und trügt,
Da glaubt man Keinem, denn es lügt
Das Kind schon in der Windel.«

So sprechen sie, die Alten zwei
Und nicken mit dem Kopf dabei
Und wackeln mit den Hauben.
Die Welt blieb jung, sie wurden alt
Und an der neuen Zeit Gehalt
Da können sie nicht glauben.

Die heut im Jugendglanze stehn,
Im Rosenschmuck zu Tanze gehn,
Auch sie einst werden sagen:
»Sie war so schön, sie liegt so weit,
Die liebe, gute, alte Zeit
Aus unsern Jugendtagen!«

Zum Abschluss dieses Tages noch ein kleines heiteres Gedicht.


Vom Hahn
Heinrich Seidel


Ich wünscht ich wär ein Gockelhahn,
Dann säß ich auf dem Zaune,
Und krähte meine Hühner an,
in aller bester Laune

Ich wünscht ich wär ein Kirchturmhahn,
dann säß ich auf dem Turme
Schaut’ mir die Welt von oben an
und drehte mich im Sturme

Und wenn ich gar ein Fasshahn wär,
und wär das Faß am laufen
würd’ ich ganz und schrecklich sehr
mich tag und nacht besaufen


Damit wünsche ich euch eine wunderschöne neue Woche. Verbringt sie froh und heiter.