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Sonntag, 18. Oktober 2015

Die erste Zigarette

Es ist Wochenende, also gehe ich zum Einkauf, weil ich ja nicht nur heute essen möchte. Den Einkaufswagen vollgepackt, kaufe immer für die ganze
Woche ein, gehe ich zur Kasse, hier muss ich noch ein bisschen warten und so betrachte ich das Angebot der Zigaretten. Nein, ich rauche nicht, nicht mehr, aber ich versetzt mich ziemlich an den Anfang meines Lebens, als ich das Rauchen probiert habe, und erinnere mich an das "Herbst-Blatt" aus Unna, wo eine nette Geschichte über die "Erste Zigarette" stand. So, mit kleinen Abweichungen, erging es auch mir ...

Die erste Zigarette

Laura hatte Geburtstag, süße 17. Sie hatte sich Geld gewünscht, - mit 17 hat man noch Träume. Führerschein, kleiner Flitzer und, und...., die Liste der Wünsche ist lang. Auf meinem Umschlag mit Geld liegt ein Päckchen Zigaretten. Im unteren Drittel der Schachtel ein weißes Feld mit schwarzer Schrift; „Rauchen gefährdet die Gesundheit.“ Stimmt, ich heiße es auch nicht gerade gut, aber sie raucht nun mal, also lege ich ihr provokativ die Zigaretten dazu. Sie lacht mich verschmitz an und gibt mir einen Kuss. "Lieb von dir Oma, danke".
Ich erinnere mich dabei an meine erste Zigarette, die auch die letzte war. Ich war damals genau so alt wie Laura heute und hatte mir gerade die Freiheit durch die Flucht aus der DDR erobert. Nun wollte ich die große weite Welt in "vollen Zügen" genießen, einfach dazugehören. Meine beste Freundin Lilo und ich waren ziemlich naiv, um nicht zu sagen einfach zu blöd. Nicht einmal rauchen konnten wir. Wie denn auch? Im wohlbehüteten Elternhaus unterlag ich strengen Blicken. Um uns nicht zu blamieren, wollten wir erst einmal das Rauchen üben, allein.
Am Kiosk besorgten wir uns eine Schachtel Zigaretten. Unschlüssig für welche Marke wir uns entscheiden sollten, ließen wir uns vom Kioskbesitzer beraten. Natürlich sollten wir die Zigaretten nur besorgen und die beste Sorte bringen, so betonten wir mit Nachdruck. Dabei stellten wir uns allerdings so linkisch an, dass er unser Vorhaben bald durchschaute. Verständnisvoll nickend gab uns der Händler eine Schachtel mit der allseits bekannten roten Hand im Logo, auch heute noch ohne Filter. Er versicherte uns dabei, es sei zur Zeit die beste Marke am Markt, ein Briefchen Zündhölzer legte er gratis dazu. Hämisch grinsend wünschte er uns einen guten Abend.

Puuh, das war geschafft. "Nett, der Verkäufer", meinte meine Freundin. "Und gemerkt hat der auch nichts", fügte ich hinzu. Nun suchten wir uns ein ungestörtes Plätzchen und es konnte losgehen. Mit ungeübten Fingern rissen wir an der Verpackung. Schön sah die offene Schachtel nicht mehr aus. Die ersten "Stäbchen" fielen uns gleich entgegen. "Lass liegen, tritt sich fest", meinte Lilo frivol. "Du hast recht", entgegnete ich, "wir haben ja genug von dem Zeug". Igittigitt, war das eklig, dieser Tabak zwischen den Zähnen. Ich nahm die Zigarette aus dem Mund und spuckte einmal wie wild durch die Gegend, half aber nicht viel. "Los jetzt!" Lilo wurde ungeduldig und fügte hinzu "Außerdem darfst du die Zigarette nicht so weit in den Mund stecken, die ist ja ganz nass, bah! Du musst kräftig ziehen!" Dabei hielt sie das brennende Streichholz an meine Zigarette. "So und nun kräftig einatmen und den Atem anhalten". Ich befolgte ihren Rat, zog und atmete kräftig durch. Und noch einmal und - statt des Einatmens folgte ein kräftiger nicht enden wollender Hustenanfall. Dazu die Tabakreste und der Rauchgeschmack im Mund und dann, was war denn das?
Plötzlich drehte sich alles um mich herum, wie beim Karussellfahren. Puuh, war mir schwindelig. "Oh, Lilo mir ist so schlecht ...", weiter kam ich nicht.
Eine Zigarette habe ich seit diesem Abend nicht mehr angerührt. Lilo übrigens auch nicht. Und mit der großen weiten Welt war es auch nicht weit her. Manchmal denke ich an den Verkäufer im Kiosk von damals, an den Mann, der mit der "Roten Hand" eine weise Entscheidung traf.

Diese nette Geschichte wurde von Gisela Lehmann erzählt.
Die Zeichnung stammt von Kurt Pfautner.


Kommentare:

  1. ... hach, bin ich froh, dieses Laster abgelegt zu haben :-)


    Liebe Grüße - Monika

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    1. Guten Morgen liebe Monika, du hast recht, dieses Laster braucht kein Mensch. Es wird einem nur schlecht ... :-)

      Einen schönen Tag und liebe Grüße, Margot.

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  2. ....da bin ich froh nie damit angefangen zu haben ;)

    Ich habe tatsächlich noch nie in meinem Leben geraucht, nicht ein einziges Mal.

    Liebe Grüße
    Björn :)

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    1. Hallo Björn,
      da hast du etwas sehr Gutes "nicht" getan. Richtig gesagt, ich bewundere dich.
      Einen schönen Tag und liebe Grüße, Margot.

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    2. Hallo Björn,
      da hast du etwas sehr Gutes "nicht" getan. Richtig gesagt, ich bewundere dich.
      Einen schönen Tag und liebe Grüße, Margot.

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  3. Liebe Margot,
    ich bin froh, dass ich nicht rauche. Ich kam nie über das Probieren hinaus. Mein Mann raucht ebenfalls nicht, allerdings hat unser Sohn im Studium damit angefangen. Nach der Prüfung hat er gesagt, wolle er aufhören. Naja, das Studium ist seit zwei Wochen erfolgreich mit dem Master abgeschlossen, mal sehen ob er den Vorsatz umsetzt. Wir wünschen es uns sehr, aber wir wissen auch, dass er sich noch dazu überwinden muss.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid,
      Rauchen muss auch nicht sein, ihr tut eurem Körper etwas sehr Gutes.
      Deinem Sohn möchte ich erst einmal gratulieren und hoffe, sein Master hilft ihm auf seinem Lebensweg weiter. Ich drücke ihm die Daumen.
      Mit Rauchen aufzuhören ist schwer, anzufangen ist viel leichter. :-)

      Ganz liebe Grüße, herzlichst Margot.

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    2. Liebe Astrid,
      Rauchen muss auch nicht sein, ihr tut eurem Körper etwas sehr Gutes.
      Deinem Sohn möchte ich erst einmal gratulieren und hoffe, sein Master hilft ihm auf seinem Lebensweg weiter. Ich drücke ihm die Daumen.
      Mit Rauchen aufzuhören ist schwer, anzufangen ist viel leichter. :-)

      Ganz liebe Grüße, herzlichst Margot.

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