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Samstag, 30. April 2016

Flucht ins Elfenland

Nun ist Wochenende und ich möchte abschalten vom täglichen Allerlei. Wenn ich am Abend Fernsehe oder möchte, dann habe ich das Gefühl, ich bin in Amerika und nicht in Deutschland. Fast auf jedem Sender, ARD und ZDF eingeschlossen, werden mir amerikanische Filme oder Serien angeboten. Vielleicht habe ich es nicht mitbekommen und wir sind zu einem Teilstaat von Amerika geworden? Die Berichte von der amerikanischen Präsidentenwahl bestätigen meine Gedanken. Nun weiß ich, dass Trump und Clinton bei dieser Wahl vorne liegen. Es interessiert mich aber nicht, oder nur so nebenbei. 
Und unsere Politiker sehe ich nicht mehr als "unsere" Politiker an, denn warum soll ich falsche Politik bezahlen? Wie nur ein Beispiel: die Energie-Politik! 

Nein, da wandere ich lieber wieder in ein Traumland, in ein Land der Elfen. Hier erhöht sich nicht mein Blutdruck, sondern habe ein Gefühl von "Kindsein". Was ja gut sein soll, auch im Alter ein Kind zu sein.



Die Elfe

Nächtlich bei des Mondes Schimmer,
Wenn der Wind schläft in den Wipfeln,
Tanzt die wunderschöne Elfe
Auf dem stillen, schilfumgebnen
Wasserrosenteich im Walde.



Nimmer dringt in diese Gründe
Nur ein Hauch des Menschendaseins!
Selbst der Glocke weithinhallend
Klanggetöne stirbt versummend
In dem weiten Meer der Wipfel.



Und es steht der Wald im Lauschen
Auf das eigne Schweigen lautlos.
Und die wunderschöne Elfe
Wiegt sich über stillem Wasser
Wie ein schimmernd Duftgebilde,
Dass das leuchtend helle Goldhaar
Um die weißen Glieder wallet.
Breitend ihre schönen Arme
Schwebt sie ob dem dunklen Grunde,
Wie ein lieblicher Gedanke
Mondbeglänzter Einsamkeit.


Heinrich Seidel (1842-1902)


Elfenlied


Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
Dann scheinet uns der Mond,
Dann leuchtet uns der Stern;
Wir wandeln und singen
Und tanzen erst gern.
Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
Auf Wiesen, an den Erlen
Wir suchen unsern Raum
Und wandeln und singen
Und tanzen einen Traum.


Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)



Elfe 


Bleib bei uns! Wir haben den Tanzplan im Tal
Bedeckt mit Mondesglanze,
Johanniswürmchen erleuchten den Saal,
Die Heimchen spielen zum Tanze.



Die Freude, das schöne leichtgläubige Kind,
Es wiegt sich in Abendwinden:
Wo Silber auf Zweigen und Büschen rinnt,
Da wirst du die Schönste finden!


August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874)




Zum Abschluss meines Beitrages, möchte ich es noch mit einem Gedicht von Norbert van Tiggelen sagen.


Die Welt ist schön

Die Welt, sie ist schön in allen Facetten, 
doch möchte ich darauf wirklich nicht wetten.
Zu oft finde ich, da ist es der Fall,
stehen wir hier kurz vor dem Knall.

Kindesmisshandlung - ein täglicher Brauch,
dem Armen zu helfen - meist Schall und Rauch.
Reichtum - er wird sich nicht selten erlogen,
das Volk wird vom Staate zu oft arg betrogen.

Der Arbeiter schuftet, zahlt brav seine Steuern,
die Reichen mit Anwälten Unschuld beteuern.
Ehrliche Meinung, sie wird oft verpönt, 
der faule Geselle mit Spenden verwöhnt.

Die Kinder sehen die Eltern oft saufen,
die Alten, die Jugend, wie sie sich nur raufen.
Drum finde ich es manchmal obszön 
einfach zu sagen: „Die Welt, sie ist schön!“

© Norbert van Tiggelen



 

Freitag, 29. April 2016

Sinn und Unsinn in der Werbung

Nein, heute kein Wetterbericht am frühen Morgen, nur so mal kurz gesagt. Es sind 13° Wärme und ich gehe zum Einkauf, ohne Regenschirm. Hier gibt es aber genug Werbung, mein Einkaufswagen ist für 66 € gefüllt, als einzelne Person. Meine Hoffnung, das Wetter bleibt so den ganzen Tag, oder es fällt Regen ... da habe ich Zeit, über Werbung nachzudenken ... 

Sinn und Unsinn in der Werbung


Können Sie sich ein Leben völlig ohne Werbung überhaupt noch vorstellen ? Von Geburt an begleitet sie uns durch den Alltag. Wohin man auch guckt, überall wird für irgendetwas geworben. Hat das einen Sinn ?

Werber waren zur Zeit des 30-jährigen Krieges Leute, die Soldaten anwarben. Die Könige und Fürsten gierten nach Macht und die konnten sie nur mit möglichst vielen Soldaten durchsetzen. Geworben zu werden, konnte einen also das Leben kosten. Da haben wir es heute leichter, heute will man "nur" unser Geld.

Der Mensch möchte immer gerne das, was er nicht hat. Wirbt ein junger Mann um ein Mädchen, hat er vermutlich gerade keines. Bewerbe ich mich um einen Job, dann möchte ich meine Freizeit gegen Bargeld tauschen, weil das für mich nützlicher ist. Werbe ich für mein neuestes Buch, dann brauche ich wieder den Platz in der Garage, wo alle die Bücher-Paletten stehen, um mein Auto dort zu parken. 

Sagen Sie nicht, das letztere wäre Unsinn ! Ich kannte einen kleinen Verleger, der hatte tatsächlich seine Garage voller Bücher (und noch eine große Lagerhalle dazu). Die Paletten in der Garage dienten als Vorrat für die täglichen Bestellungen. Er hat trotz seiner Werbung die Garage nie leer bekommen. Er machte nämlich den Fehler, immer wieder Nachschub aus der Lagerhalle zu holen. War die Garage wirklich mal fast leer, dann kam ein LKW mit frischen Büchern aus der Druckerei. Sein Auto mußte immer draußen parken... aber ich schweife ab. 
Werbung hat viele Gesichter. Sie kann einem schreiend auffällig ins Auge springen oder aber auch so dezent und unterschwellig sein, daß man sie kaum bemerkt. Ich weiß nicht, welche Art "gefährlicher" ist. Im ersteren Fall kann es sein, daß ich eher angewiedert in eine andere Richtung sehe, aber.... zu spät !
Die Marke hat sich bereits ins Gedächtnis eingebrannt ! Im zweiten Fall werde ich regelrecht "verführt", das geht besonders im Internet sehr leicht. Man klickt auf einen Link und wird von der ursprünglichen Webseite unmerklich auf eine andere geleitet, auf die man gar nicht wollte.
Neulich war ich auf einer Webseite, in der es um schöne Gedichte ging. Eine völlig harmlose Sache, sollte man meinen. Ich erinnere mich noch an Stichworte wie "Liebe" und "Schokolade" und zwei Klicks weiter war ich von den Gedichten schon weit weg und fand kaum noch zurück.
Ich denke mal, "gefährlich" sind beide Arten der Werbung. 
Da lobe ich mir die "ehrliche" Werbung nach dem Motto "Ich habe dies und das zu verkaufen - hast du Interesse ?"
Die gibt es natürlich auch und dann freue ich mich, denn ich bin um meine Meinung und um eine Entscheidung gefragt. Ich kann mich für das Anklicken entscheiden oder nicht. Da bin ich ein "mündiger Partner" und werde nicht optisch angeschrien oder heimlich hintergangen.

Werbung begegnet uns auf der Straße, im Fernsehen, im Internet und in der Zeitung. "Was fällt Ihnen auf, wenn Sie die Zeitung aufschlagen ?" - "Die Werbung, sie fällt mir auf die Füße!"
Kann man etwas dagegen tun ? Was die Zeitung betrifft, hilft vielleicht ein Aufkleber "Bitte keine Werbung" am Briefkasten, aber so ein Aufkleber gegen Fernsehwerbung ???
     
Macht Werbung Sinn ? Die oben gestellte Frage ist noch nicht beantwortet. Aus der Sicht der Kaufleute macht Werbung durchaus Sinn, denn nur so kann man sich gegen die Konkurrenz behaupten. Was nützt es, wenn ich ein gutes und/oder günstiges Produkt habe - und niemand weiß das ? Man kann eine gute Erfindung machen und sie zum Patent anmelden. Aber verkaufen kann man sie nur, wenn sie auch bekannt geworden ist. 
Meine Antwort lautet also : Meistens - ja !

Aus der Sicht der Konsumenten macht Werbung nicht immer Sinn. Man/frau erfährt zwar, was es alles gibt, wo man es bekommt und was es kostet, das ist ja durchaus nützlich und sinnvoll. Aber wir erfahren viel mehr, als wir eigentlich wissen wollen, wir werden mit Werbung förmlich "erschlagen". Stimmts ?
Ich sehe - Sie nicken und stimmen mir zu....
Neulich kam ein Anruf: "Hat Ihnen unser Zusteller das Käse..... ähhh, das Sonntagsblatt pünktlich geliefert ?" 
Ich schaute in den Papierkorb und sagte "Ja !"

Unsinn in der Werbung ist es, wenn Werbung zum Selbstzweck wird. Es gibt Werbebanner, die leiten zu einer Webseite, die nichts verkauft, da gibt es nur weitere Werbung, haufenweise Banner und Links, eine sogenannte "Linkfarm"(Nein, dies ist jetzt KEIN Werbelink !)
Die Werbebanner bekommt der Webseitenbetreiber von einer Werbeagentur und es könnte durchaus passieren, daß einer (oder mehrere) dieser Banner zu einer anderen "Linkfarm" führt, und von dort wiederum .... irgendwann schließt sich der Kreis. Keiner hat dabei etwas verkauft, sie haben nur füreinander geworben.
Ich bin oft darum gebeten worden, aber ich weigere mich, so eine "Linkfarm" zu verlinken, das ist Internetverschwendung.

Werbung ist unvermeidlich, sobald sich ein Konkurrent findet, der das gleiche Produkt hat. Die Legende erzählt, daß es in einer Straße von Cremona drei Geigenbauer gab.

Der erste hatte im Schaufenster ein Schild : "Hier gibt es die besten Geigen der Stadt !"
Der zweite hatte im Schaufenster ein Schild : "Hier gibt es die besten Geigen der ganzen Welt !"
Der dritte hatte im Schaufenster ein Schild : "Hier gibt es die besten Geigen in dieser Straße !"


In diesem Sinne: Lassen Sie sich von der Werbung führen, aber nicht verführen!


Diese Geschichte stammt von Peter Dörling, habe sie von einer Schmunzel- Seite.



Donnerstag, 28. April 2016

Erzählen als Heilkunst

Wie fast immer fange ich mit dem Wetter an, es ist schon etwas wärmer geworden und es sind nun 11° Wärme. Nicht zum Jubeln, aber schöner als in den vergangenen Tagen. Doch am Abend werde ich die Blumen ins Haus nehmen, sie haben in der Nacht Frost angesagt. Ich möchte die Pflanzen nicht erfrieren lassen, es wäre zu schade. 
Eine kleine Geschichte werde ich jetzt erzählen, die mir gut gefällt ...


Erzählen als Heilkunst


Einmal starb ein Ire ganz unverhofft, und er stand plötzlich vor dem göttlichen Richter. Er hatte furchtbare Angst, denn er hatte in seinem Leben wenig Gutes getan. Eine ganze Reihe war noch vor ihm; alle mussten sie Rechenschaft ablegen.


Christus schlug in dem dicken Buch nach und sagte zum ersten: "Da steht: Ich hatte Hunger, und du hast mir zu essen gegeben. Bravo! Ab in den Himmel."

Zum zweiten: "Ich hatte Durst, und du hast mir zu trinken gegeben."

Zum dritten: "Ich war im Gefängnis, und du hast mich besucht." Und so fort.

Bei jedem, der in den Himmel befördert wurde, machte der Ire eine Gewissenserforschung, und jedes Mal kam ihm das Zittern: Er hatte weder zu essen noch zu trinken gegeben und hatte keine Gefangenen und keine Kranken besucht.

Nun kam er an der Reihe. Er blickte auf Christus hin, der in seinem Buch nachschlug, und zitterte vor Angst. Aber Christus blickte auf und sagte: "Da steht nicht viel geschrieben. Aber etwas hast du auch getan: Ich war traurig, und du hast mir lustige Geschichten erzählt. Ich war niedergeschlagen, und du hast mich zum Lachen gebracht und mir Mut gegeben. Bravo - Ab in den Himmel!"







Humor

Humor ist die Lust zu lachen, wenn einem zum Heulen ist. 
Werner Finck

Humor ist die Medizin, die am wenigsten kostet und am leichtesten einzunehmen ist.
Giovanni Guareschi

Humor ist eines der besten Kleidungsstücke, die man in Gesellschaft tragen kann. 
William Shakespeare



Mittwoch, 27. April 2016

Das Brot von Wilhelm Busch

Das Wetter ist heute schlimmer als in den vergangenen Tagen, außer Regen, pfeift der Wind noch ums Haus. Sogar die Tauben haben sich zurückgezogen. Da muss ich mich nicht wundern, dass mein Kopf ein Gefühl von Schwere in sich trägt. Nein, heute habe ich kein Gefühl von Traurigkeit in mir, sondern nur Müdigkeit. Nun suche ich lebhafte Zeilen. Wilhelm Busch könnte helfen ... na mal sehen.



Das Brot

Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im lauen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
macht' ich mich mutig strebend los.

Gleich kam ein alter Has gehupft
und hat mich an der Nas gezupft,
und als es Winter ward, verfror,
was peinlich ist, mein linkes Ohr,
und als ich reif mit meiner Sippe,
o weh, da hat mit seiner Hippe
der Hans uns rundweg abgesäbelt
und zum Ersticken festgeknebelt
und auf die Tenne fortgeschafft,
wo ihrer vier mit voller Kraft
im regelrechten Flegeltakte
uns klopften, daß die Scharte knackte!

Ein Esel trug uns in die Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
wenn man, zerrieben und gedrillt
zum allerfeinsten Staubgebild',
sich kaum besinnt und fast vergißt,
ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der Bäckermeister,
nachdem wir erst als zäher Kleister
in seinem Troge baß gehudelt,
vermengt, geknebelt und vernudelt,
uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
greif zu und schneide nicht zu knapp
und streiche tüchtig Butter drüber
und gib den andern auch was ab!

Wilhelm Busch

Liebesgeschichten des Jeremias Pechvogel


Erste Liebe


Da draußen vor dem Tore,
Da steht ein Lindenbaum,
Wo ich so süß geträumet
Der ersten Liebe Traum.

Da draußen vor dem Tore
In stiller Abendstund
Hab' ich ihr oft geküsset
Die Stirne und den Mund.

Da draußen vor dem Tore,
Wo sie mich hinbestellt,
Schenkt' ich ihr dies und jenes
Von meinem Taschengeld.

Da draußen vor dem Tore,
Beim stillen Mondenschein,
Da schenkt' ich meiner Holden
Von Gold ein Ringelein.

Da draußen vor dem Tore,
Da schien der Mond so hell. –
Ich war ein junger Schüler,
Sie eine Nähmamsell.

In jener dunklen Gasse,
Da wohnt der Pfänderjud,
Da hab' ich's auch erfahren,
Wie falsche Liebe tut.

In jene dunkle Gasse,
Da ging ich heimlich nur;
Bei Abraham, dem Juden,
Versetzt' ich meine Uhr.

In jener dunklen Gasse,
Dort in des Juden Schrein,
Da seh' ich etwas glänzen
Als wie ein Ringelein.


In jener dunklen Gasse,
Da sah ich – tief gekränkt –
Das Ringlein ew'ger Treue,
Das ich ihr jüngst geschenkt.

In jener dunklen Gasse,
Da ward mir alles klar.
Mit meiner ersten Liebe
War's aus für immerdar.

Zweite Liebe

Ich wohnte hinten nach dem Hof hinaus,
Mir gegenüber stand ein altes Haus.
Das alte Haus, das hat der Fenster viel,
Doch eins war meiner Augen stetes Ziel.

Denn an dem Fenster, blumenüberdeckt,
Saß jeden Tag ein Mädchen halbversteckt.
Sie las – begoß die Rosen – hie und da
Ihr schmachtend Aug zu mir herüber sah.

Da klebt' ich an mein Fenster, halb im Scherz,
Aus rosa Glanzpapier ein flammend Herz.
Sie aber wandte sich. – Mit weißer Hand
Spielt' sie an ihrem losen Busenband.

Und träumerisch, als wär' es aus Versehn,
Ließ sie die Schleife aus dem Fenster wehn.
Ich hob sie auf, ich küßt' sie tausendmal.
Mein vis-à-vis war auch mein Ideal.

Auf Promenaden sahen wir uns nie;
Doch schrieb sie mir und ich, ich schrieb an sie.
Viel Liebes und viel Schönes schrieb sie mir
Auf goldumsäumtem rosa Postpapier.
Doch eins – dies eine sollte uns entzwei'n,
Eins schrieb sie nicht. – Sie hatt' ein kurzes Bein.

Dritte Liebe

Meine Freunde und Gesellen
Haben mich dazu verleitet.
Daß zu den Casinobällen
Ich sie neuerdings begleitet.

Kaum daß in den Saal wir kamen,
Fühlt' ich schon mein Herz erbeben,
Denn die schönste aller Damen
Sah ich leicht vorüberschweben.


Leicht und krinolinen-luftig,
Halb gefühlt und halb gesehen,
Fein eau-de-Cologne-duftig
Spürt' ich ihr Vorüberwehen.

Ihre Wange war umgaukelt
Von den Locken lang und lose,
Und als wie auf Wellen schaukelt
Ihr am Busen eine Rose.

Und das Aug, das feurig-matte –
Ja! Ich mußt' sie engagieren.
Eilig zupft' ich die Krawatte,
Würdig mich zu präparieren.

Ach! Wie ist mir nur geschehen?!
– Ihn, den ich schon lange scheute,
Hatt' ich gänzlich übersehen,
Jenen Herrn an ihrer Seite.

Er fixierte mich so listig
Mit vertrautem Augenzwinken;
Und, weiß Gott! mir war, als müßt' ich
Spurlos in den Boden sinken. –

Heimlich bin ich fortgeschlichen.
Jener Herr – so war es leider! –,
Dem ich lang schon ausgewichen,
War ihr Vater und – mein Schneider.

Wilhelm Busch



Idiosynkrasie



Der Tag ist grau. Die Wolken ziehn.
Es saust die alte Mühle.
Ich schlendre durch das feuchte Grün
Und denke an meine Gefühle.
Die Sache ist mir nicht genehm.
Ich ärgre mich fast darüber.
Der Müller ist gut; trotz alledem
Ist mir die Müllerin lieber.

Wilhelm Busch


Nun, die Verse sind geschrieben, in der damaligen Zeit für die damalige Zeit. So lese ich sie auch und vertausche die männlichen mit den weiblichen  Attributen. 


Herzlichst Margot.

Dienstag, 26. April 2016

Warum lässt Gott das zu?

Jeden Tag ändert sich das Wetter, heute kann ich sagen, stündlich, von Sonne auf Regen. So geht es  auch mir mit meiner Stimmung ... habe es schon oft gesagt, bin keine Kirchgängerin und glaube nicht an Gott, eigentlich. Es geht mir so, wie vielen Menschen, bin ich betrübt oder traurig, dann versuche ich an Gott zu glauben ... und dieser Gedanke beruhigt mich schon. Vielleicht gibt es ihn, nur ich verstehe es nicht ... noch nicht?


Warum lässt Gott das zu?
Ein amerikanischer Facharbeiter, Max Ellerbusch, erzählt aus seinem Leben

«Es war an einem hektischen Freitag, sechs Tage vor Weihnachten, im Jahre 1958. Ich befand mich in meiner Elektrowerkstatt und arbeitete fieberhaft, um die Festtage in Ruhe mit meiner Familie verbringen zu können. Plötzlich klingelte das Telefon, und eine Stimme am anderen Ende teilte mir mit, dass unser fünfjähriger Sohn Craig von einem Auto überfahren worden sei.

Um ihn herum stand eine Menge Menschen, aber als ich auftauchte, wichen sie zurück. Craig lag mitten auf der Straße, sein lockiges, blondes Haar wirkte nicht einmal zerzaust.

Noch am gleichen Nachmittag starb er im Kinderkrankenhaus.

An der Kreuzung bei der Schule war es passiert. Das Auto war so schnell gekommen, dass keiner es bemerkt hatte. Ein Schüler hatte noch geschrien, gewunken und einen Sprung machen müssen, um sein eigenes Leben zu retten. Der Wagen hatte nicht einmal gebremst.

Meine Frau Grace und ich fuhren von der Klinik durch die weihnachtlich beleuchteten Straßen nach Hause. Wir konnten es einfach nicht fassen, was geschehen war. Es dauerte bis zum Abend, als ich an dem unbenutzen Bett vorbeikam, bis mir die Wirklichkeit ins Bewusstsein drang. Plötzlich kamen mir Tränen, nicht nur wegen des leeren Bettes, sondern wegen der Leere und Sinnlosigkeit des Lebens überhaupt.

Von unseren vier Kindern war es vor allem Craig, der uns mehr als die anderen half, mit den Sorgen unseres Lebens fertig zu werden. Als Baby lächelte er so fröhlich in die Welt, dass die Menschen oft an seinem Kinderwagen stehen blieben. Wenn wir Besuche machten, war es der erst dreijährige Craig, der unserer Gastgeberin sagte: "Sie haben ein wunderschönes Haus!"
Bekam er etwas geschenkt, dann war er zu Tränen gerührt, und er gab es an das erste Kind weiter, das ihn darum beneidete.

Wenn solch ein Kind sterben muss - so dachte ich, als ich mich in der Nacht nach jenem verhängnisvollen Freitag im Bett von einer Seite auf die andere wälzte -, wenn solch ein Leben in einer Minute ausgelöscht werden kann, dann ist das Leben an sich bedeutungslos und der Glaube an Gott eine Selbsttäuschung. Am Morgen hatte meine Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit eine Zielscheibe gefunden: Ein blinder Hass auf den Menschen, der uns das angetan hatte, erwachte in mir! Die Polizei hatte ihn inzwischen in Tennessee verhaftet. George Williams hieß er und war erst fünfzehn Jahre alt.

Die Polizei hatte in Erfahrung gebracht, das er aus einem zerrütteten Zuhause kam. Seine Mutter hatte eine Arbeit in Nachtschicht übernommen und schlief am Tage. An diesem Freitag hatte er die Schule geschwänzt, während sie schlief ihre Autoschlüssel genommen und war mit Vollgas die Straße hinuntergerast. Mein ganzer Zorn über ein blindes Schicksalswalten schien sich auf den Namen George Williams zu konzentrieren. Ich rief unseren Anwalt und bat ihn, Williams schärfstens anzuklagen. "Versuchen Sie zu erreichen, dass er als Erwachsener behandelt wird. Die Jugendgerichte sind nicht streng genug!"

So sah meine Gemütsverfassung aus, als sich etwas ereignete, das mein Leben völlig veränderte. Ich kann es nicht erklären, ich kann es nur beschreiben.
Spät in der Nacht von Samstag auf Sonntag lief ich im Vorraum unseres Schlafzimmers auf und ab, die Fäuste gegen die Schläfen gepresst. Ich fühlte mich elend und schwindlig und müde - so entsetzlich müde. "O Gott", betete ich, "zeige mir, warum das geschehen musste!"

Und genau in dem Augenblick, zwischen diesem und dem nächsten Schritt, wurde mein Leben verwandelt. In der inneren Helle dieses Augenblicks stand plötzlich die Gewissheit vor mir, dass dieses Leben nur ein einziges, einfaches Ziel hat: Es gleicht einem Schuljahr, und in dieser Klasse sollen wir die Lektion "Liebe" lernen.

"O Craig", dachte ich laut, "kleiner Craig, in deinen fünf kurzen Jahren hast du
viel gelernt. Wie schnell machtest du Fortschritte, wie schnell wurdest du in die nächste Klasse versetzt!"

Grace saß aufrecht im Bett, als ich die Tür zum Schlafzimmer öffnete. Sie las nicht, sie tat nichts. Sie sah einfach nur geradeaus, wie sie es seit Freitagnachmittag fast die ganze Zeit getan hatte.

Ich nahm ihre Hand und versuchte ihr zu sagen, dass die Welt nicht vom blinden Zufall beherrscht werde, dass das Leben einen Sinn habe, dass das Leiden auf dieser Erde nicht das Ende sei, sondern zu einem Glück führe, weit über unsere kühnsten Hoffnungen hinaus.
"Heute abend", so sagte ich ihr, " hat Craig uns nicht mehr nötig. Aber ein anderer braucht uns: George Williams. Es ist Weihnachten. Vielleicht gibt es im Jugendgefängnis keine Weihnachtsgeschenke für ihn, wenn wir ihm nicht etwas hinschicken."

Grace hörte zu und starrte mich dabei still und unentwegt an. Plötzlich brach sie in Tränen aus. "Ja", sagte sie, "das ist richtig. Es ist seit Craigs Tod das erste, was richtig ist."

Und es war recht so. George entpuppte sich als ein intelligenter, verwirrter und einsamer Junge, der einen Vater ebenso nötig hatte wie ich einen Sohn. Er bekam sein Weihnachtsgeschenk, und seine Mutter erhielt eine Schachtel mit Grace' guten Weihnachtsplätzchen. Wir beantragten seine Freilassung und erwirkten sie auch einige Tage später, und unser Heim wurde sein zweites Zuhause.

Nach der Schule arbeitet er jetzt mit mir in der Werkstatt, trifft sich zu den Mahlzeiten mit uns am Küchentisch und ist Diane, Michaela und Ruth-Carol ein guter großer Bruder.»

der Webseite: www.k-l-j.de entnommen.


Montag, 25. April 2016

Erinnerung Abschied ...

Regen, kalter Wind, so ist das heutige Wetter, einfach unfreundlich, ich friere in der Stube. Mein Blick nach draußen bestätigt meine Worte und mein Empfinden. Ich habe heute keine Lust freudige Worte zu schreiben und so denke ich an Abschied, eine Kurzgeschichte. Sie ist nicht von mir, doch die Empfindungen kenne ich, die sie ausstrahlt. 

Abschied


In manchen endlosen Augenblicken glaubt man vor Schmerz vergehen zu müssen. Und solch ein Augenblick ist jetzt. Ich knie im Vorzimmer, in
inniger Umarmung mit dem jungen Menschenkind, das mir seit ein paar Jahren wieder und wieder bewusst macht, wie wertvoll der einzelne Augenblick ist. Jede Faser meines Körpers ist auf „Empfinden“ eingestellt. Ich vergrabe meine Nase in Annas blonden Haaren und hoffe, dass sich dieser Duft an meinen Schleimhäuten festsetzt. Während wir einander immer fester drücken frage ich mich, wie oft wir diese Situation noch ertragen können. Was das Unerträgliche dennoch erträglich macht, ist die Vorhersehbarkeit mit der dieser Abschied eingetreten ist. Ab dem Moment der Begrüßung drängte sich das Wissen um die Vergänglichkeit des Glücks in jedes Wort, jeden Blick, jede Geste, jede Berührung. Ich weiß, meine kleine Tochter empfindet so wie ich. Ich bemühe mich zu lächeln. 

Nur jetzt keine Tränen! Denn diesen letzten Eindruck nimmt sie mit. Dieses Bild wird sie begleiten – bis zu unserem Wiedersehen in zwei Wochen. Unendlich langsam – und dennoch unaufhaltsam – wird unsere Umarmung lockerer. 
Eine unsichtbare Kraft veranlasst, dass sich unsere Arme strecken. Solange es nur irgendwie möglich ist, streifen ihre Hände meine Arme entlang. Ich spüre, dass ihre Augen meine Augen suchen; doch ich weiß, dass meine Augen kein Lächeln mehr ausstrahlen können und hefte meinen Blick auf ihre Hände. Schließlich dreht sich Anna mit einem Ruck um und ihre kleine Hand verschwindet in der großen Hand ihres Vaters. Wir trennen uns wortlos, denn es gibt nichts, das wir uns nicht schon gesagt hätten. Mit jedem Schritt, der sie von mir entfernt, schließt sich der Eisenring um meine Brust ein bisschen enger. 

Wieder einmal denke ich diesen sinnlosen Satz: „Bitte liebe Zeit, bleibe doch für ein paar Minuten stehen!“ Und doch kann doch den Zeitpunkt nicht erwarten, wo
das kleine Mädchen für meine Blicke nicht mehr erreichbar ist, denn dann kann ich mich endlich hemmungslos den Tränen hingeben. Jetzt kann sie mich nicht mehr sehen. Jetzt ist sie von mir getrennt. – Und doch ist sie bei mir. Jetzt kann ich sie nicht mehr sehen. Jetzt bin ich von mir getrennt. – Und doch bin ich bei ihr. Ohne meine bewusste Zustimmung hat sich ein Stück aus mir gelöst und ist mit ihr gegangen. Ganz deutlich spüre ich die Leere, die unter der schmerzenden Wunde zurückgeblieben ist. 

Die Zeit steht still. - Warum jetzt?! Irgendwann beruhige ich mich. Ich fühle, wie die Stelle an der ich die Leere spürte, liebevoll heilt. Da erst erkenne ich, was in jenem zeitlosen Augenblick der Trennung vor sich gegangen ist - Es war ein Austausch: ein Stück von mir gegen ein Stück von ihr.

Autor: Murks



Sonntag, 24. April 2016

Ein kalter Sonntag ...

Es ist Sonntag, der sehr kalt vergeht, unterstütz noch von einem kalten Wind. Wie soll man sich bei diesem unfreundlichen Wetter wohlfühlen. Wie soll es da meinen Pflanzen ergehen? Die Blüten halten sich zurück und ich sehe noch immer keine Blütenfarbe, sodass ich noch warten muss. Warten aufs Einpflanzen. Ich frage mich, wann kommen die warmen Tage? Nicht nur wegen der Farbe der Blumen, sondern, dass ich mich an den Blüten erfreuen kann. Nun gut, ich gehe zu Redensarten über ...



Aus den Pantinen kippen

Klaus übt heute schon das xte-Mal, ohne eine Pause einzulegen, seinen Rollentext als Papageno für die Schulaufführung am Abend der Zauberflöte. Der Lehrer sorgt sich und fragt: "Klaus, du wirst doch nicht aus den Pantinen kippen?" 


Die Redewendung bedeutet, dass es Klaus vor lauter Üben schwindelig werden könnte, und er dabei, wörtlich verstanden, mit den Füßen aus den Pantoffeln gleitet. Die Wendung drückt übertreibend aus, dass jemand vor Entkräftung oder auch Entsetzen umfällt. Der norddeutsche Ausdruck für Pantoffel ist Pantine. Die Pantoffel waren früher Holzpantoffel, die vor allem auf dem Land mit dicker Holzsohle getragen wurden.




TEXT VON 

Auf dem Schlauch stehen

Steht man auf dem Schlauch, ist man ratlos und kommt nicht weiter.


Anna sitzt schon seit über einer Stunde an den Mathe-Hausaufgaben und rauft sich ungeduldig die Haare: "So ein Mist! Schon wieder etwas falsch gemacht!" Anna kommt einfach nicht auf die richtige Lösung. Auch ihr großer Bruder Max kommt nicht hinter den Trick, der in der verzwickten Matheaufgabe steckt. 

Die Mutter kriegt schließlich mit, dass Anna und Max mit der Hausaufgabe nicht weiterkommen und sagt: "Na da steht ihr zwei aber wohl ganz schön auf dem Schlauch!"

Wenn man sprichwörtlich auf dem Schlauch steht, bedeutet das, dass man etwas nicht versteht oder einfach nicht weiterkommt. Bildlich kann man sich das so vorstellen: Jemand steht, ohne es zu merken, auf dem eigenen Gartenschlauch und wundert sich, dass kein Wasser aus der Spitze kommt. 

Auch Anna und Max kommen bei der Mathe-Hausaufgabe nicht weiter. Sie stehen also auf dem Schlauch. Ihre Mutter aber kommt schließlich auf die Lösung und erklärt sie den beiden.
TEXT VON 

Auf einer Wellenlänge

Wenn man sich richtig gut versteht, ist man auf einer Wellenlänge. 

Max Eltern warten auf ihren Sohn. Er ist mal wieder mit seinem neuen Freund Oskar unterwegs und kommt zu spät zum Abendessen. Als er endlich Zuhause auftaucht, hört er gar nicht mehr auf, von ihren Erlebnissen zu erzählen. "Ihr glaubt gar nicht, was er alles über Dinosaurier weiß. Ich hatte noch nie so einen guten Freund!" Sein Vater muss lachen: "Das liegt daran, dass ihr auf einer Wellenlänge seid!" Das versteht Max nicht und fragt: "Papa, was meinst du denn damit?"

Die Redewendung "auf einer Wellenlänge sein" stammt aus dem Funkverkehr. Da gibt es immer einen Sender und einen Empfänger. Beide müssen an ihren Funkgeräten dieselbe Wellenlänge einstellen, ansonsten können sie sich nicht verstehen. Das ist wie bei Max und Oskar. Die verstehen sich so gut, weil sie sich beide für Dinosaurier interessieren. Man könnte sagen, sie haben die "Wellenlänge Dinosaurier" eingestellt.

Max ist nach seinem aufregenden Tag todmüde. Kurz vorm Einschlafen fragt er aber noch seine Mutter, ob er morgen bei Oskar schlafen kann. Er hat nämlich eine Dokumentation über Dinosaurier, die sie zusammen gucken wollen.

Poesie der Wochentage

Montags ist der Tag des Mondes.
Dienstag ist der Tag des Dienstes.
Mittwoch ist der Woche Mitte,
soll ich fortfahr’n?- Ach ja, bitte.
Donnerstag der Tag des Donners.
Freitag haben alle frei.
Was, das stimmt nicht, meinen Sie?
Immer diese Pedanterie!
Sonnabends, da scheint die Sonne,
was sie auch noch Sonntags macht.
Solang des Dichters Freiheit währt,
ist die Welt recht schnell erklärt.

Renate Eggert-Schwarten


Herzlichst Margot.