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Donnerstag, 14. Juli 2016

Poesie ...

Ein kleines bisschen Poesie möchte ich euch heute geben, sie kommt von E.Rasmus und gefällt mir, hoffentlich euch auch. Leider kann ich nicht so schreiben wie ich gerne möchte, noch nicht, verzeiht, es geht nicht.








Als ob die Zeit stünde 

- in und außer mir die Welt - 



Qual der Stille ruft, bis sie verhallt, 

Doch den Ruf erneuernd in den Tag 

Wunden reißt sie, drinnen sich verkrallt, 

Weil die Seele sich nicht wehren mag. 



Könnte nicht der Sommerwind den Schmerz 

Lindernd übertönen, mild? 

Ach, sein Hauch erfrischte mir das Herz, 

Bis er mir den Schmerz der Stille stillt. 


E.Rasmus








Freitag, 8. Juli 2016

Die Fabel im allgemeinen

Wirklichkeitsbezug und Aussageabsicht der Fabel
Die Fabel wird in einer konkreten Situation und mit einer bestimmten Absicht erzählt. Am Beispiel des sagenumwobenen phrygischen Sklaven „Aesop", dessen Fabeln untrennbar mit seinem Lebenslauf verbunden sind, lässt sich anschaulich der Realitätsbezug und die didaktisch - kritische Absicht der Fabel aufzeigen. Dabei ist nicht einmal mit Sicherheit belegt, ob Aesop wirklich gelebt hat, oder ob er nur eine  „Verkörperung des fabulierenden griechischen Volksgeistes"  (8)  ist. 
In der legendären Darstellung des Aesopromans  (9)  erscheint Aesop als ein körperlich missgestalteter Mensch, der von der Göttin Isis mit Weisheit und Redegewandtheit ausgestattet wurde. Mit diesen Eigenschaften versehen, zog  Aesop  durch die Länder Kleinasiens und Griechenlands -  und erzählte seine Fabeln, in denen er soziale Ungerechtigkeiten und menschliches Fehlverhalten anprangerte. Selbst den Mächtigen gegenüber äußerte er Kritik in Form geistreicher Fabeln, und er versuchte, deren Verhalten durch seine Lehren zu beeinflussen. 
Dabei ergriff Aesop stets die Partei der Schwachen, Unterdrückten oder misshandelten. 
Seine kritische Haltung brachte Aesop häufig in Konflikt mit der Obrigkeit. Doch selbst in schwierigen Situationen äußerte er im Schutz der Fabeln seine Kritik. In Delphi geriet Aesop so in Streit mit der Priesterschaft, die seinen Einfluss auf das Volk fürchtete. Aus Angst vor dem Volk ließen die Priester ihn heimlich verhaften:  Sie hatten eine goldene Schale aus dem Tempel des Apoll in sein Reisegepäck geschmuggelt und ihn als gemeinen Kirchenräuber verleumdet. Aesop wurde in den Kerker geworfen und zum Tode verurteilt. 
Auf dem Weg zum Felsen, von dem Aesop hinabgestürzt werden sollte, erzählte er die berühmt gewordene Fabel von „Maus und Frosch"  -  einerseits in der Absicht, seine eigene Situation zu veranschaulichen;  andererseits, um die Priester zu warnen und sie von ihrem Vorhaben abzubringen. 


Heinrich Steinhöwel 
Aesop in Delphi
                                            mit
Aesops Fabel von Maus und Frosch
Als Aesop einmal durch Griechenland zog und überall durch seine Fabeln seine Weisheit zeigte, erwarb er sich den Ruf, ein sehr weiser Mann zu sein.
Zuletzt kam er nach Delphi, der angesehenen Stadt und dem Sitz der obersten Priesterschaft. Dort folgten ihm viele Menschen, weil sie ihm zuhören wollten; von den Priestern aber wurde er nicht ehrenvoll empfangen. Da sagte Aesop: „Ihr Männer von Delphi, ihr seid wie das Holz, das von dem Meer an den Strand geschwemmt wird. Solange es fern ist, scheint es groß zu sein, wenn es aber nahe herangekommen ist, dann sieht man, dass es in Wirklichkeit klein ist. So ging es auch mir mit euch. Solange ich noch weit von eurer Stadt entfernt war, dachte ich, daß ihr die Vornehmsten von allen wäret, jetzt aber, in eurer Nähe, erkenne ich, dass ihr nicht viel taugt."
Als die Priester solche Reden hörten, sagten sie zueinander: „Dieser Mann hat in anderen Städten eine große Anhängerschaft. Es könnte sein, dass unter solcher üblen Nachrede unser Ansehen leidet oder dass wir es sogar ganz verlieren. Wir müssen also auf unserer Hut sein!" 
Da beratschlagten sie, auf welche Weise sie ihn unter dem Vorwande, er sei ein böser Kirchenräuber, töten könnten; denn sie wagten es wegen des Volkes nicht, ihn (ohne einsichtigen Grund) öffentlich töten zu lassen.
So ließen sie aufpassen, bis der Knecht Aesops die Sachen seines Herrn für die Abreise zusammenpackte. Da nahmen sie eine goldene Schale aus dem Tempel des Apoll und versteckten sie heimlich im Reisegepäck Aesops.
Aesop wusste von all den hinterhältigen Machenschaften nichts, die gegen ihn im Gange waren, und als er nach Phokis zog, eilten die Priester ihm nach und nahmen ihn mit großem Geschrei gefangen. Und als Aesop sie fragte, warum sie ihn gefangen nähmen, schrien sie: „Du unanständiger Mensch, du Verbrecher! Warum hast du den Tempel des Apoll beraubt?"
Als Aesop vor allen leugnete und sich über diese Beschuldigung entrüstete, öffneten die Priester sein Bündel und fanden die goldene Schale. Die zeigten sie jedem Einzelnen und führten Aesop wie einen Kirchenräuber ungestüm und unter großem Tumult ins Gefängnis.
Aesop wusste auch da noch nichts von all den hinterhältigen Anschlägen, die man gegen ihn ins Werk gesetzt hatte, und bat, man möge ihn freilassen. Sie aber bewachten ihn daraufhin nur noch schärfer, [...] verurteilten ihn öffentlich, weil er sich des Kirchenraubs schuldig gemacht habe, und führten ihn aus dem Gefängnis, um ihn von einem Felsen hinab zu stoßen. 
Als Aesop das merkte, sprach er zu ihnen:
Zu der Zeit, als die unvernünftigen Tiere noch in Frieden miteinander lebten, gewann eine Maus einen Frosch lieb und lud ihn zum Nachtmahl ein. Sie gingen miteinander in die Speisekammer eines reichen Mannes, in der sie Brot, Honig, Feigen und mancherlei leckere Sachen fanden. Da sprach die Maus zum Frosch: „Nun iss von diesen Speisen, welche dir am besten Schmecken!" Als sie sich nach Herzenslust satt gefressen hatten, sprach der Frosch zu der Maus: „Nun sollst du auch meine Speisen versuchen. Komm mit mir! Weil du aber nicht schwimmen kannst, will ich deinen Fuß an meinen binden, damit dir kein Leid geschieht." Als er aber die Füße zusammengebunden hatte, sprang der Frosch ins Wasser und zog die Maus mit sich hinab. Als die Maus merkte, dass sie sterben musste, begann sie zu schreien und klagte: „Ich werde ohne Schuld das Opfer gemeiner Hinterlist. Aber von denen, die am Leben bleiben, wird einer kommen, der meinen Tod rächt." 
Während sie das sagte, kam ein Habicht heran, ergriff die Maus und den Frosch und fraß sie beide.
So werde ich ohne Schuld von euch getötet, und ihr werdet um der Gerechtigkeit willen dafür bestraft, wenn Babylon und Griechenland über das Verbrechen reden werden, das ihr an mir begeht.
Obwohl die Priester das hörten, ließen sie ihn nicht los, sondern führten ihn an die Stelle, wo er sterben sollte.


Der Verlauf der Fabel ist der realen Situation auffallend analog. In der Realität ist es die Priesterschaft, die den unschuldigen Dichter ums Leben bringt;  in der Fabel ist es der Frosch, der der Maus zum Verhängnis wird. 
Kennzeichnend ist, dass Maus und Frosch fest aneinander gebunden sind und so gemeinsam das gleiche Schicksal erleiden. Der Habicht, der beide als Beute fortträgt, wird zum Symbol für eine höhere Gerechtigkeit: Er sühnt unverzüglich das an der Maus begangene Unrecht. 

Auf die Realität bezogen lehrt diese Fabel:  Auch in der Wirklichkeit wird es eine höhere Macht  (in diesem Fall das Volk der Babylonier und Griechen)  geben,  die Aesops Tod nicht ungesühnt lassen wird. So wie Maus und Frosch schicksalhaft miteinander verbunden sind, so werden auch die Priester ihrem Schicksal nicht entgehen, wenn sie ihn, Aesop, töten lassen. 
In dem hier geschilderten Fall kämpft Aesop mit der Fabel für sich selbst. Bei anderen Gelegenheiten nutzt er die Fabel im Kampf für die Unterdrückten.  So zeigt das Volksbuch vom phrygischen Sklaven Aesop einen Helden, der reale soziale Zustände,  politische Vorgänge oder menschliches Fehlverhalten aufgreift, sie im Gewand der Fabel kritisiert und bewusst macht  und so auf Veränderung der Situation drängt. 

Andere Fabeln Aesops zielen weniger auf  konkrete Lebenssituationen, sondern bringen eine allgemein anerkannte Lebensweisheit zum Ausdruck;  sie stellen also mehr das belehrende als das kritisierende Element in den Vordergrund, indem sie ethische oder moralische Lehren erteilen. 
Bedenkt man, dass sich seit Phaedrus nahezu alle Fabeldichter auf die Fabeln Aesops beziehen, ihre Motive, ihr Inventar, ihre Kompositionsprinzipien verwenden und oft nur variieren, so können die aesopschen Fabeln wesentliche Aufschlüsse für die Intentionalität und Kausalität der gesamten Fabeldichtung geben. 

Ein Vergleich von Fabeln, die in verschiedenen Versionen vorliegen, lässt erkennen, dass oft nur eine kleine Variation genügt, um einen anderen Realitätsbezug, eine andere Aussageabsicht zum Ausdruck zu bringen. 



Montag, 4. Juli 2016

Es geht weiter ... ich bin soweit ...

Hallo liebe Freundinnen und Freunde, es ist der 2. Juli und die Luft trieft vor Nässe, an diesen, wenn auch unfreundlichen Tag, möchte ich einen Neuanfang wagen. So fange ich mit der Natur an, sie hilft mir über jeden Berg.






Einkehr



Bei einem Wirte wundermild
Da war ich jüngst zu Gaste.
Ein goldner Apfel war sein Schild
An einem langen Aste.
Es war der gute Apfelbaum
Bei dem ich eingekehret
Mit süßer Kost und frischem Schaum
Hat er mich wohl genähret.

Es kamen in sein grünes Haus
Viel leichtbeschwingte Gäste
Sie sprangen frei und hielten Schmaus
Und sangen auf das Beste.

Ich fand ein Bett in süßer Ruh
Auf weichen, grünen Matten
Der Wirt er deckte selbst mich zu
Mit seinem kühlen Schatten.

Nun fragt ich nach der Schuldigkeit.
Da schüttelt er den Wipfel
Gesegnet sei er allezeit
von der Wurzel bis zum Gipfel.

Ludwig Uhland (1787-1847)






Mittagspause


Verwegen zog durch mein Gemüt
Der Sommersonnenwind
Und brachte Wolken, die versprüht
Er träumend wie ein Kind.


Ein buntes Bild in Blauweißgrau
Mit feurigem Gespann
Ergoß sich überm Himmelsbau.
War’s dies, was ich ersann?


Im Sturm genommen, aufgeweckt
So schrieb ich hier den Vers,
Kurz wie ein Schauer, traumversteckt.
Die Sonne scheint - das wär’s.

 E.Rasmus 






Die Wälder schweigen
Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen.
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
und wo Spinnen seidne Strümpfe stricken,
wird man gesund.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Erich Kästner





Von Krankheit möchte ich nicht schreiben, aber durch sie habe ich wundervolle Menschen kennengelernt, wie Frau Andrea Tennstedt und Ralf Meschke. Dazu kommen ihre freundlichen, hilfsbereiten Hausgeister wie Geanina, Madalina, Angelika, Swetlana, Nena, Natalja, Simone, Monika, Driffa, Anna und Vesna. Ihnen allen mein größtes Dankeschön. 





Am Waldessaume träumt die Föhre,

Am Himmel weiße Wölkchen nur,
Es ist so still, daß ich sie höre,
Die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen,
Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
Und doch es klingt als ström' ein Regen
Leis tönend auf das Blätterdach.


Theodor Fontane




Doktor Wald 

Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
mich unverstanden fühle und auch alt,
wenn mich die holden Musen nicht liebkosen,
dann konsultiere ich den Dr. Wald.

Er ist mein Augenarzt und mein Psychiater,
mein Orthopäde und mein Internist.
Er hilft mir sicher über jeden Kater,
egal ob er aus Kummer oder Kognak ist.

Er hält nicht viel von Pülverchen und Pillen,
doch um so mehr von Luft und Sonnenschein.
Und kaum umfängt mich seine duft`ge Stille,
raunt er mir zu : " Nun atme mal tief ein !"

Ist seine Praxis auch sehr überlaufen,
in seiner Obhut läuft man sich gesund,
und Kreislaufschwache, die noch heute schnaufen,
sind morgen ohne klinischen Befund.


Er bringt uns immer wieder auf die Beine,
und unsere Seelen stets ins Gleichgewicht,
verhindert Fettansatz und Gallensteine -
bloß Hausbesuche macht er leider nicht. 

Förster Helmut Dagenbach, 1986